Sonntag, 26. Februar 2012

Ätherisches Öl des schwarzen Pfeffers

Der schwarze Pfeffer (Piper nigrum) gehört zur Pflanzenfamilie der Piperaceae. Er kommt in Indien, Indonesien, Malaysia, China und Magadaskar vor. Schwarzer Pfeffer wird allgemein als Gewürz in der menschlichen Ernährung verwendet, aber er wird auch als Medizin, Konservierungsmittel und Parfüm in vielen asiatischen Ländern gebraucht. Als Medizin wird schwarzer Pfeffer bereits seit Jahrtausenden im Ayurveda eingesetzt.

 

 

Schwarzer Pfeffer


Schwarzer Pfeffer zählt zu den Entzündungshemmern aus der ayurvedischen Medizin zur Prävention chronischer Erkrankungen. Ein Auszug aus der aktiven phenolischen Komponente, Piperin, ist für seine positiven physiologischen Effekte bekannt.
Schwarzer Pfeffer stimuliert die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse, schützt vor oxidativen Schäden, senkt die Lipidperoxidation und erhöht die Bioverfügbarkeit einer Reihe von therapeutischen Wirkstoffen. Darüber hinaus wurden seine antientzündlichen Aktivitäten in Studien nachgewiesen. Bestandteile der Pfeffer-Arten haben eine hemmende Aktivität gegenüber Entzündungsprozessen im Körper gezeigt. Diese Effekte von Piperin sind vorteilhaft zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen, die durch starke Schmerzen begleitet werden, z. B. rheumatoide Arthritis.

Im ätherischen Öl des schwarzen Pfeffers, welches durch Wasserdampfdestillation schwarzer Pfefferkörner gewonnen wird, kommt der Inhaltsstoff Piperin, der die Schärfe im
Schwarzen Pfeffer ausmacht, nicht vor. Das moderne Verfahren der CO2-Extraktion, macht ätherisches Öl des schwarzen Pfeffers inzwischen auch möglich, dass im ätherischen Öl von schwarzem Pfeffer und Ingwer im Gegensatz zu den wasserdampfdestillierten Ölen die Scharfstoffe (z.B. Piperin) enthalten sind. CO2-Destillation ist jedoch eine teure Herstellungsmethode und schlägt sich im Preis des Öls nieder.

Verschiedenste Pfefferarten zeigen erhebliche hemmende Wirkung gegen mindestens eines der Schlüssel-Enzyme des Arachidonsäure-Stoffwechsels, besonders gegen COX-1. Diese Enzyme vermitteln im Gewebsstoffwechsel Entzündungsvorgänge. Aspirin greift in diesen Ablauf ein, was seine schmerzlindernde, entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung begründet. Im Hinblick auf die Entzündungsvorgänge im Gewebestoffwechsel wurde für schwarzen Pfeffer festgestellt, dass er eine hemmende Aktivität besitzt.

Mittels Wasserdampfdestillation gewonnenes,
ätherisches Öl des schwarzen Pfeffers duftet eher schlicht, trocken-hölzern mit einer aromatisch-sonnigen Note. In einer Untersuchung wurden die für den charakteristischen Geruch des ätherischen Öl des schwarzen Pfeffers zuständigen Aromastoffe identifiziert.

Eine Analyse von
ätherischem Öl des schwarzen Pfeffers offenbarte das Vorhandensein von mindestens 54 Bestandteilen: beta-Caryophylline (29,9%) wurde als Hauptbestandteil zusammen mit Limonen (13,2%), beta-Pinen (7,9%), Sabinen (5,9%), und mehreren anderen, kleineren Komponenten gefunden. 

In einer anderen Forschungsarbeit wurden folgende Inhaltsstoffe für das ätherische Öl des schwarzen Pfeffers festgestellt:
Germacren D (11,01%),
Limonen (10,26%),
beta-Pinen (10,02%),
alpha-Phellandren (8,56%),
beta-Caryophyllen (7,29%),
alpha-Pinen (6,40%) und
cis-beta-Ocimen (3,19%);

Verbindungen wie beta-Caryophyllen, Germacren D, Limonen, beta-Pinen, alpha-Phellandren und alpha-Humulen sowie Nebenbestandteile sind von größter Bedeutung für die charakteristische Pfeffergeruchsnote. Weitere Aromaeindrücke sind auf Mono -und Sesquiterpene, Hexan-, Octan- und Nonan-Derivate zurückzuführen.

Die am häufigsten vorkommenden Verbindungen im
ätherischen Öl des schwarzen Pfeffers sind einer weiteren Studie zufolge:
Limonen (2,9-38,4%),
beta-Pinen (0,7 bis 25,6%),
(E)-beta-Caryophyllen (1,4-70,4%),
alpha-Pinen (0,3 bis 10,4%),
Delta-3-Caren (1,7 bis 19,0% ),
Sabinen (0 bis 12,2%),
Eugenol (0,1-41,0%),
Terpinen-4-ol (0 bis 13,2%),
Hedycaryol (0-9,1%),
beta-Eudesmol (0-9,7%) und
Caryophyllen-oxid (0,1-7,2%).

Ein Vergleich mit dem ätherischen Öl des grünen und weißen Pfeffers ergab, dass das ätherische Öl des schwarzen Pfeffers mehr Monoterpene und weniger Sesquiterpene und sauerstoffhaltige Terpenoide enthält. 
Schwarzer Pfeffer


Als allgemeine Wirkungen von Monoterpenen ist bekannt, dass sie antiseptisch, antiviral, bakterizid und immunstimmulierend wirken. Zudem lösen sie am lebenden Organismus schmerzlindernde, lokalanästhetische und tonisierende Wirkungen aus. Auf die Psyche wirken sie kräftigend und konzentrationsfördernd.

Oleoresine sind färbende und Geschmack gebende Essenzen des schwarzen Pfeffers und wurden ebenfalls im
ätherischen Öl des schwarzen Pfeffers festgestellt. Die antioxidative Kapazität sowohl des ätherischen Öl des schwarzen Pfeffers als auch der Oleoresine von schwarzem Pfeffer ist sehr ausgeprägt.  Sowohl das ätherische Öl als auch die Oleoresine des Pfeffers besitzen eine starke antioxidative Kraft. 

Im Norddeutschen Raum ist der schwarze Pfeffer lange Zeit nicht nur als Gewürz , sondern auch als Medizin bekannt gewesen. Leider ist der schwarze Pfeffer als Medizin, wie so viele andere Kräuter, inzwischen in Vergessenheit geraten. In der Frühen Neuzeit um das 17. Jahrhundert herum, wurden in norddeutschen Apotheken verschiedene Kräuter verkauft, die heute im Supermarktregal geführt werden. Diese Gewürzkräuter wurden einst nicht nur zum Würzen von Speisen geschätzt. Ihre medizinische Verwendung belegt das Kräuterbuch von BESLER aus dem Jahr 1579.  Das Originaldokument einer Apothekenliste von 1659 erwähnt fünf verschiedene Pfeffersorten: Piperis albi - Weisser Pfeffer, Piperis Hispanici - Spanischer Pfeffer, Piperis Longi - Langer Pfeffer, Piperis Nigri - Schwarzer Pfeffer, Piperis Turcici/ Siliqvastci - Türkischer Pfeffer.

In dem Kräuterbuch des D. Peter BESLER anno 1579 wird die Verwendung zahlreicher Heilpflanzen gegen Krankheitssymptome beschrieben und Pfeffer durfte auch hier nicht fehlen. In einem Rezept zu Stärkung „Wer da nicht Luft hat zu esse und trinken“ wird empfohlen dem Kranken eine Zubereitung aus Pfeffer, Galgant, Petersiliensamen, Honig und Rosenwasser zu kochen. Ausserdem kannte der Doktor aus Rostock ein Rezept gegen Magen-Darm-Beschwerden „Ein gut Pulver vor vielerley Krankheiten, es wermet den magen, macht gute Verdauung“ das langen Pfeffer und andere Gewürze enthielt, nämlich Ingwer, langen Pfeffer, Muskat, Galgant, Cardamom, Zimtrinde, Nelken, Majoran, Calmus und weissen Zucker.

Grundsätzlich gilt, dass alle Gewürze und Kräuter, die zum Verzehr bestimmt sind, die Verdauung positiv beeinflussen und deren ätherisches Öl sehr gut bei Verdauungsproblemen eingesetzt werden kann. Ätherisches Öl, das bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt zur Anwendung kommen, wirkt entzündungshemmend, antiinfektiös, appetitanregend, cholagog, karminativ und spasmolytisch.

Wird das passende ätherische Öl in Form einer Bauchmassage appliziert, wird durch die Berührung ein sehr angenehmer, heilsamer Effekt hervorgerufen und auf Grund der angeregten Darmmotilität werden Beschwerden gelindert. Menschen besitzen ein Bauchhirn. Das Eingeweidenervensystem besteht aus über
100 Millionen Nervenzellen. Das sind mehr als im gesamten Rückenmark, wobei Zelltypen, Wirkstoffe, Rezeptoren die gleiche Identität wie das ZNS haben. Im Bauchhirn finden sich psychoaktive Substanzen wie Serotonin, Dopamin oder Opiate, die alle einen Bezug zur Gemütslage haben.  

Die Inhalation des Duftes von
ätherischem Öl des schwarzen Pfeffers moduliert die Aktivität des autonomen Nervensystems (Sympatikus und Parasympatikus) bei gesunden Erwachsenen. Das Einatmen von ätherischem Öl des schwarzen Pfeffers führte im Experiment zu einem 1,7-fachen Anstieg der Adrenalinkonzentration im Blut im Vergleich zum Ruhezustand, während der Duft ätherischen Rosenöls eine 30%ige Abnahme der Adrenalin-Konzentration verursachte. Die Wirkung der Duftinhalation von ätherischen Ölen wie Pfefferöl, Estragonöl-, Fenchelöl- oder Grapefruit-Öl, kann bei gesunden Erwachsenen Menschen einen 1,5-bis 2,5-fachen Anstieg der Aktivität des sympathischen Nervensystems hervorrufen, wirkt also aktivierend.

Im Gegensatz dazu verursachte das Einatmen von ätherischem Rosenöl oder Patchouliöl einen Rückgang der relativen Aktivität des autonomen, sympathischen Nervensystems
um 40%.

Zusammengefasst hat das
ätherische Öl des schwarzen Pfeffers eine große Anzahl positiver, medizinisch nutzbarer Eigenschaften: Entzündungshemmung, antioxidativer Schutz vor oxidativen Zellschäden. Es ist antiseptisch, antiviral, bakterizid, immunstimmulierend, schmerzlindernd und lokalanästhetisch. Auf die Psyche wirkt es aktivierend durch Anstieg der Adrenalinkonzentration, kräftigend und konzentrationsfördernd. 

Traditionell ist schwarzer Pfeffer ein Kräftigungsmittel und hilfreich bei Magen-Darm-Beschwerden. Im Ayurveda dient Schwarzer Pfeffer der Stimulierung  der Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse. Unerwünschte Wirkungen sind bei sachgemäßem Gebrauch nicht bekannt. Das ätherische Öl des schwarzen Pfeffers ist gut hautverträglich und zeigt keine unerwünschten NW.
 
Blattgold Dr.Becker

Blattgold Dr. Becker gibt es jetzt auch auf Youtube:

 


Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ayurveda
Aggarwal BB, Prasad S, Reuter S, Kannappan R, Yadev VR, Park B, Kim JH, Gupta SC, Phromnoi K, Sundaram C, Prasad S, Chaturvedi MM, Sung B. Identification of novel anti-inflammatory agents from Ayurvedic medicine for prevention of chronic diseases: "reverse pharmacology" and "bedside to bench" approach. Curr Drug Targets. 2011 Oct;12(11):1595-653.
Stohr JR, Xiao PG, Bauer R. Constituents of Chinese Piper species and their inhibitory activity on prostaglandin and leukotriene biosynthesis in vitro. J Ethnopharmacol. 2001;75:133–9.
 
Orav A, Stulova I, Kailas T, Müürisepp M. Effect of storage on the essential oil composition of Piper nigrum L. fruits of different ripening states. J Agric Food Chem. 2004 May 5;52(9):2582-6.

Jirovetz L, Buchbauer G, Ngassoum MB, Geissler M. Aroma compound analysis of Piper nigrum and Piper guineense essential oils from Cameroon using solid-phase microextraction-gas chromatography, solid-phase microextraction-gas chromatography-mass spectrometry and olfactometry. J Chromatogr A. 2002 Nov 8;976(1-2):265-75.
 
Orav A, Stulova I, Kailas T, Müürisepp M. Effect of storage on the essential oil composition of Piper nigrum L. fruits of different ripening states. J Agric Food Chem. 2004 May 5;52(9):2582-6.
Wabner, D. Beier, C. Aromatherapie – Grundlagen Wirkprinzipien Praxis. Urban & Fischer 2009. S.40.
Kapoor IP, Singh B, Singh G, De Heluani CS, De Lampasona MP, Catalan CA. Chemistry and in vitro antioxidant activity of volatile oil and oleoresins of black pepper (Piper nigrum). J Agric Food Chem. 2009 Jun 24;57(12):5358-64.

Becker, M. Beitrag zur Identifizierung vergessener Arzneipflanzen der nordöstlichen Regionen Deutschlands unter besonderer Berücksichtigung des Kräuterbuches von BESLER aus dem Jahr 1579. Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Medizin der medizinischen Fakultät der Universität Rostock. Rostock 2009. S.138.
 
Haze S, Sakai K, Gozu Y. Effects of fragrance inhalation on sympathetic activity in normal adults. Jpn J Pharmacol. 2002 Nov;90(3):247-53.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen