Sonntag, 26. Februar 2012

Ätherisches Öl vom Wacholder

Bei der Bekämpfung von Bakterien ist die Wirksamkeit zahlreicher ätherischer Öle wissenschaftlich belegt. Im Gegensatz zu Antibiotika gibt es beim Einsatz von ätherischem Öl auch langfristig kaum Resistenzen. Während chemische Antibiotika nur aus einer Substanz bestehen, sind ätherische Öle, wie das ätherische Öl von Wacholder, Mehrstoffsysteme.

Das wissenschaftliche Journal Natural Product Communications (NPC) veröffentlichte im Oktober 2011 die Studie einer Forschergruppe des Labors für Mikrobiologie und Pflanzen Biologie der University of Mostaganem in Algerien über die chemische Zusammensetzung und antibakterielle Wirkung des ätherischen Öls des Phönizischen Wacholders (Juniperus phoenicea).

Der Phönizische Wacholder (Juniperus phoenicea), auch Rotfrüchtiger Wacholder genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Sie ist im Mittelmeerraum heimisch.

Die antibakterielle Wirkung des ätherischen Öls aus den Blättern des Phönizischen Wacholders und ihre chemischen Bestandteile wurden in dieser Studie untersucht. Das ätherische Öl des Wacholders wurde durch Wasserdampfdestillation gewonnen und mittels Gaschromatographie analysiert. Dreiundsechzig flüchtige Verbindungen wurden identifiziert. Die wichtigsten Monoterpene waren α-Pinen (26,7-78,7%) und 3-Caren (7,6-15,4%). 3-Caren ist mit 30 bis 40 Prozent Hauptbestandteil des Terpentins. Außerdem kommt es in großen Mengen im ätherischen Öl des schwarzen Pfeffers (35 Prozent) vor. Zu finden ist es zudem im ätherischen Öl von Zitrusbäumen, Tannen und verschiedenen Wacholderarten.

Die antibakterielle Aktivität des ätherischen Öls des phönizischen Wacholderöl wurde sowohl gegen grampositive als auch gramnegative Bakterien getestet und zeigte eine hohe Aktivität gegen die getesteten Bakterien, außer Pseudomonas.

Eine andere Forschergruppe veröffentlichte in der Dezemberausgabe 2011 im Journal of Vector Ecology eine Studie über das ätherische Öl des Gemeinen Wacholders (Juniperus communisals Abwehrmittel gegen Zecken und als Giftstoff gegen Mücken.



Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis), auch Heide-Wacholder genannt, ist eine gehört zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Der Gemeine Wacholder ist das am weitesten verbreitete Nadelgehölz, wenn man die Unterarten bzw. Varietäten mit einbezieht. Man findet den Wacholder auf sonnigen Magerweiden, an Felsen und in lichten Wäldern. Er bevorzugt eher trockene, meist basenreiche, oft kalkhaltige Böden. Er ist eine Lichtpflanze.
Wacholder
Die Forscher analysierten ätherisches Öl aus den Blättern vom Wachloder mittels Gaschromatographie und Gaschromatographie-Massenspektrometrie. Identifiziert wurden 104 Verbindungen. Die wichtigsten Komponenten sind: α-Pinen (27,0%), α-Terpinen (14,0%) und Linalool (10,9%). Das ätherische Wacholderblattöl wurde in Versuchen als abweisend gegen erwachsene Gelbfiebermücken gestestet, zudem wirkte es abweisend gegen Zecken

Die Ergebnisse waren verblüffend, denn man fand heraus, dass das ätherisches Öl von Wacholder fast so stark wie DEET gegen Insekten wirkt. Diethyltoluamid (DEET) ist ein seit den 1950er-Jahren bekanntes chemisches Insektenabwehrmittel. Es hat ein breites Wirkungsspektrum auf verschiedene Insekten, kann jedoch auf Menschen gesundheitsschädlich wirken. Möglicherweise haben die Forscher eine neue, wirksame Maßnahme um die Malariaübertragung zu verhindern entdeckt. Ätherisches Öl vom Wachloderwirkt als Insektizid fast genau so stark wie DEET, ist aber natürlichen Ursprungs und nahezu unschädlich für den Menschen.

 
Steckbrief Wacholderbeerenöl (Juniperus communis)

Pflanzenfamilie: Cupressaceae
Vorkommen: ehemaliges Jugoslawien, Italien, Frankreich, Bulgarien, Kanada, USA
Geschichte: Schon im Altertum waren die Beerenzapfen des Wacholders als Diuretikum bekannt. Laut Dioskurides wirken die Beeren scharf urintreibend, erwärmend, sind hilfreich bei Brustleiden, Husten und Leibschmerzen. Die Ägypter verwendeten das Öl zum Einbalsamieren der Toten. Auch Tibeter verwendeten ätherisches Öl vom Wachloder für medizinische und religiöse Zwecke. Wacholder wurde in Frankreich und Deutschland in Hospitälern zur Verhütung von Infektionen z.B. Pest verbrannt. Noch heute gilt Wacholder in vielen Gegenden als lebensverländerndes Mittel. In der westlichen Medizin ist die ausscheidungsfördernde Wirkung oral verabreichten ätherischen Öls vom Wachloder auf die Harn- und Oxalsäure bekannt. Früher wurde ätherisches Öl vom Wachloder auch gegen Würmer eingesetzt.
Herstellungsart: Wasserdampfdestillation                  
Pflanzenteil: getrocknete Beeren
Duftbereich: fruchtig herb, süß, Beerenduft.
Inhaltsstoffe: Hauptsächlich Monoterpene und Monoterpenole
Physische Eigenschaften: Aquaretisch, dadurch Abtransport von Ödemen und Wirkung gegen Zellulite in Form von Einreibungen und Bädern. Es wirkt steinlösend denn es regt die Ausscheidung von Oxalsäure an und wirkt auf die Harnwege bei Harnwegsinfekt antiseptisch. Ebensfalls fördert es die Ausscheidung von Harnsäure, die zur Gicht führen kann. Wegen der Förderung der mucoziliären Clearance ist es bei Bronchitis und Rhinitis angezeigt. Eine weitere Indikation ist die abführende Wirkung, weshalb es als Adjuvans bei Fastenkuren angewendet wird. Bei leichter Bauchspeicheldrüsenunterfunktion und Diabetes wirkt es anregend auf die Bauchspeicheldrüse.
Psychische Eigenschaften: Tonisierend, sedativ, harmonisierend, aufhellend.
Besonderheiten: Ätherisches Öl vom Wachloder wird in der Parfümerie für trockene Noten und Herrenparfums verwendet. Es ist in Badezusätzen sowie Haut- und Haarpflegemitteln enthalten. Als Aromastoff ist es Bestandteilvon Diuretika und alkoholischen Getränken wie Gin, Steinhäger und Genever.
Unerwünschte Wirkungen: Eine zu hohe Dosierung oder unzureichende pharmazeutische Qualität kann zu Nierenentzündungen und Harnverhalt führen. Da nicht bei allen ätherischen Wacholderbeerölen eine ausreichende pharmazeutische Qualität garantiert ist (Verhältnis Terpinen-4-ol zu Gesamtterpinenen), sollte als reine toxikologische Vorsichtsmaßnahme die Anwendung auf 4-6 Wochen beschränkt werden. Nicht zur inneren Anwendung bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern. Nur geringste Konzentrationen bei äußerer Anwendung bei Säuglingen.

1 Kommentar:

  1. hallo, wir sind bei unserer Forschung über phönizischen Wacholder auf deinen Blog gestossen. Wir interessieren uns für die weiteren Ergebnisse der algerischen Forschungsgruppe. Kannst du uns da weiter helfen? Kathrin

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