Mittwoch, 29. Februar 2012

Der Apfel - ein Nutriceutical?

Apfel (Malus sylvestris var. domestica)
Apfel - Malus domestica

Der Apfel gehört zur Pflanzenfamilie der Rosengewächse (Rosaceae). Die ursprüngliche Heimat des Kulturapfels liegt möglicherweise in Asien. Wie und wann er nach Mitteleuropa gelangte, ist nicht bekannt. Die wahrscheinlichste Verbreitungsmöglichkeit sind Handelswege, da der Apfel seit früher Zeit als lebensverlängerndes Heilmittel galt.[1] 

Das komplexe Aroma des Apfels setzt sich aus zahlreichen Stoffen zusammen. In der Zusammensetzung der Aromastoffe des Apfels gibt es große sortenbedingte Unterschiede. Im Wesentlichen sind Ester, Aldehyde und Alkohole am Apfelaroma beteiligt. Wichtige Inhaltsstoffe des Apfels sind Pektin, Zellulose, Gerbsäuren, Kalium. 

Jede Urgroßmutter wusste um die heilende Wirkung des geriebenen Apfels bei Durchfall, die auf das reichlich vorhandene Pektin zurückgeführt wird. Apfelpektin ist ein Ballaststoff, der eine besonders hohe Wasserbindungskapazität besitzt. Im erkrankten Darm bindet Pektin überschüssiges Wasser sowie Giftstoffe und verhindert das anhaften von krankheitserregenden Bakterien an die Darmwand. Gerbsäuren hemmen ebenfalls das Bakterien- und Virenwachstum.[2]
 
Die cholesterinsenkenden Eigenschaften des Apfelpektins wurden bei Personen mit mild erhöhtem Cholesterinspiegel im Blut untersucht. Apfelpektin erwies sich als wirksam bei der Cholesterinsenkung. [3] Die hypocholesterinämische Aktivität und mögliche Vorteile des Konsums von Ballaststoffen und Apfelpektin sind mehrfach untersucht und bestätigt worden.[4]
Der Apfel ist ein wunderbares Heilmittel aus Urgroßmutters Schatzkiste und dabei frei von Unerwünschten Nebenwirkungen. Auch für gesunde Kinder hat der Apfel zahlreiche positive Wirkungen. Er enthält reichlich Vitamine und Mineralstoffe und hat gleichzeitig wenig Kalorien. Inhaltststoffe wie Flavonoide schützen vor freien Radikalen. Eine alte Weisheit aus England sagt: „One apple a day keeps the doctor away!“( Iss täglich einen Apfel und du bleibst gesund)[5]

 
Kaiser Alexander

Natürliche Arzneimittel werden seit Jahrtausenden zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten verwendet. Nach einer Phase der Schwemme industriell gefertigter Lebensmittel gibt es derzeit ein Wiederaufleben des Interesses an natürlichen Produkten in der breiten Öffentlichkeit und der Einsatz der komplementären und alternativen Medizin steigt in den entwickelten Ländern rapide an. Dies bleibt von der Industrie nicht unbemerkt und sie ist derzeit darum bemüht dieses Umdenken zu ihrem Vorteil zu nutzen. Es ist eine neue Untergruppe von Lebensmitteln kreiert worden. Wegen der natürlichen bioaktiven Verbindungen in frischem Obst, welche eine Brücke zwischen Lebensmitteln und Medikamenten zu schlagen scheinen, werden diese Lebensmittel als Nutrizeutika/Nutriceuticals oder funktionelle Lebensmittel bezeichnet und vermarktet. 
Im Gegensatz zu den meisten handelsüblichen medizinischen Verbindungen werden Nutraceuticals im Allgemeinen zur Vorbeugung und Verhindern und nicht zur Behandlung von Krankheiten angepriesen und verwendet. Wegen der nahrhaften und nährenden Bestandteile ist der ganze Apfel, mit Fruchtfleisch, Schale und Kernen, ein Ausgangsmaterial für moderne Nutriceuticals. Um die in der Werbung versprochene Wirkung der Nutriceuticals auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, fliessen finanzielle Hilfen von der Industrie in die Erforschung von Lebensmitteln wie z.B. dem Apfel. Dabei konnten interessante Entdeckungen gemacht werden. Insbesondere die Verwendung von Pflanzen bei einer Reihe von Magen-Darm-Erkrankungen. Es wurden wissenschaftliche Nachweise für die Verwendung zur Vorbeugung und beschleunigten Heilung von Magen-Darm-Schleimhaut-Schäden durch Polyphenol-Extrakte aus Äpfeln gewonnen.[6]
Es gibt inzwischen wissenschaftliche Beweise, dass eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist, Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bietet, was zum Teil auf sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyane, eine bunte Gruppe der Flavonoide, zurückzuführen ist

Smoothies

Da in der heutigen Zeit Kinder und Jugendliche viele Fertigprodukte konsumieren und nicht die empfohlenen Mengen an Obst und Gemüse essen, bietet die Lebensmittelindustrie Nutriceuticals als einen möglichen Weg der Aufnahme von Früchten und vor allem als Quelle von Anthocyanen an. 

Eine Form der Aufnahme ist die in der Form von Smoothies.[7] Smoothies (engl.: smooth = „fein, gleichmäßig, cremig“) sind so genannte Ganzfruchtgetränke. Sie werden zunehmend als Convenience-Produkte verkauft. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fruchtsäften wird bei Smoothies die ganze Frucht bis auf die Schale und Kerne verarbeitet. Basis der Smoothies ist somit das Fruchtmark oder Fruchtpüree, das je nach Rezept mit Säften gemischt wird, um eine cremige und sämige Konsistenz zu erhalten.[8] Das macht es leichter die empfohlene Menge Obst täglich zu sich zu nehmen, da das Obst nicht gekaut werden muss…

Reinette

Ziel zahlreicher, gesponsorter Studien war es die antioxidative Wirkung des Apfels zu belegen. Das antioxidative Potential von Apfelschalen und Samen, die in der Industrie sonst Abfälle bilden, wurde bewertet und mit dem Apfelfruchtfleisch verglichen. Im Endergebnis besitzen die Kerne des Apfels der analysierten Apfelsorten eine deutlich höhere antioxidative Kapazität und höhere Konzentrationen an Polyphenolen, verglichen mit ihrer Schale und dem Fruchtfleisch des Apfels. Mit Bezug auf die Mineralienanalyse zeigen Fruchtfleisch und Schale des Apfels hohe Menge an Vitamin K und kleine Mengen an Magnesium, Calcium, Eisen, Natrium und Zink. Die Ergebnisse der Studien offenbaren, dass die Schalen von Äpfeln mehr antioxidative Kapazität und eine höhere Mineralienkonzentration als das Fruchtfleisch haben. Die Apfelschale enthält zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, von denen viele eine gewisse Bioaktivität zeigen.[9] Deshalb wird daraus logisch abgeleitet, dass der Konsum des Fruchtmarks zusammen mit der Schale zum erzielen von Ernährungsvorteilen empfohlen werden kann.[10] Der ganze Apfel zusammen mit Apfelkernen- und Schale (Obst-Industrie Abfälle) sind als eine wertvolle Quelle für Polyphenole und Antioxidantien anzusehen.[11]
Die moderne Ernährungswissenschaft lehrt uns gesunde Nahrung lediglich nach der Menge an vorhandenen Vitaminen, Spurenelementen, Fetten, Eisen und Kohlenhydraten zu messen. Seit neuestem wird sie auch nach dem Ausmaß der Bindungsfähigkeit für freie Radikale beurteilt.[12] 




Beim Beissen in einen frischen Apfel werden auch Gefühlsqualitäten und Sinneswahrnehmungen wie Schmecken, Riechen, Sehen und Hören stimuliert und steuern Emotionen und Organfunktionen. Die Pflanzen als Nahrungsmittel können jedoch nur bedingt naturwissenschaftlich erklärt werden, es gibt noch subtilere Qualitäten als Nährwerte.[13]


 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturapfel
[2] Bühring, Ell-Beiser, Girsch. Heilpflanzen in der Kinderheilkunde – Das Praxis-Lehrbuch. Sonntag-Verlag, 2008. 1. Auflage. S.129
[3] Brouns F, Theuwissen E, Adam A, Bell M, Berger A, Mensink RP. Cholesterol-lowering properties of different pectin types in mildly hyper-cholesterolemic men and women. Eur J Clin Nutr. 2011 Dec 21. doi: 10.1038/ejcn.2011.208. [Epub ahead of print]
[4] Sirtori CR, Triolo M, Bosisio R, Bondioli A, Calabresi L, De Vergori V, Gomaraschi M, Mombelli G, Pazzucconi F, Zacherl C, Arnoldi A. Hypocholesterolaemic effects of lupin protein and pea protein/fibre combinations in moderately hypercholesterolaemic individuals. Br J Nutr. 2011 Oct 28:1-8. 
[5] Bühring, Ell-Beiser, Girsch. Heilpflanzen in der Kinderheilkunde – Das Praxis-Lehrbuch. Sonntag-Verlag, 2008. 1. Auflage. S.130
[6] Romano M, Vitaglione P, Sellitto S, D'Argenio G. Nutraceuticals for protection and healing of gastrointestinal mucosa. Curr Med Chem. 2012 Jan 1;19(1):109-17.
[7] Drossard C, Fröhling B, Bolzenius K, Dietrich H, Kunz C, Kersting M. Liking of anthocyanin-rich juices by children and adolescents. Appetite. 2012 Jan 9;58(2):623-628. [Epub ahead of print]
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Smoothies
[9] McGhie TK, Hudault S, Lunken RC, Christeller JT. Apple Peels, from Seven Cultivars, Have Lipase-Inhibitory Activity and Contain Numerous Ursenoic Acids As Identified by LC-ESI-QTOF-HRMS. J Agric Food Chem. 2012 Jan 11;60(1):482-91. Epub 2011 Dec 23.
[10] Manzoor M, Anwar F, Saari N, Ashraf M. Variations of Antioxidant Characteristics and Mineral Contents in Pulp and Peel of Different Apple (Malus domestica Borkh.) Cultivars from Pakistan. Molecules. 2012 Jan 4;17(1):390-407.
[11] Duda-Chodak A, Tarko T, Tuszyński T. Antioxidant activity of apples - an impact of maturity stage and fruit part. Acta Sci Pol Technol Aliment. 2011 Oct 1;10(4):443-54.
[12] Dr. Karin Pirc, Wilhelm Kempe. Kochen nach Ayurveda – Köstliche Küche für ein langes Leben. Bassermann- Verlag. S.30.

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