Freitag, 9. März 2012

Ätherisches Öl vom Ingwer

Am Institut für Geschichte der Medizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde im Dezember 2011 eine Dissertation mit dem Titel Ingwer (Zingiber officinale ROSCOE) und Galgant (Alpinia officinarum HANCE) in der Geschichte der europäischen Phytotherapie publiziert.

Die Arbeit gibt einen Überblick über die Verwendung der beiden Arzneipflanzen Ingwer und Galgant in der Geschichte der europäischen Phytotherapie. Dazu wurden insgesamt fast 90 Texte aus Standardwerken, eher unbekannten Schriften, Zeugnisse der Volkskunde und populärwissenschaftliche Bücher auf Ingwer hin untersucht.

Sowohl der Ingwer als auch der Galgant zählen zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae), die 49 Gattungen und 1300 Arten umfasst, darunter auch die bei uns bekannten Pflanzen Gelbwurz (Curcuma longa) und Kardamom (Elettaria cardamomum).

Bereits den antiken Autoren war der Ingwer als Arzneipflanze bekannt, und er wurde bei vielerlei Beschwerden eingesetzt. Im Mittelalter genoss Ingwer ebenfalls hohes Ansehen und Ingwer findet sich beinahe in der gesamten medizinischen Standardliteratur dieser Zeit wieder. 

Diese Tatsache ist nicht weiter erstaunlich, da der Ingwer eine starke Heilpflanze ist. So verwundert es nicht, dass man die damaligen langen und kostspieligen Transportwege von den Ursprungsländern in Südostasien bis nach Europa in Kauf nahm, um an die wertvolle Wurzel des Ingwers zu gelangen.

Nach dem System der Humoralpathologie wurden dem Ingwer die Fähigkeiten wärmender Arzneipflanzen zugeschrieben. Im Altertum kannte man für Ingwer viele Anwendungsgebiete. Angefangen vom Einsatz bei Erkrankungen des Kopfes, der Lunge, des Magen-Darm-Traktes, von Herz und Blutgefäßen, der Leber und Milz, der Harnwege, bis hin zu Haut- und Gelenkerkrankungen sowie der Einsatz als Aphrodisiakum sind die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten des Ingwers gut belegt.

In der Doktorarbeit wird erwähnt, dass früher bei Zahnschmerzen der schuldige Zahn nicht nur mit dem Öl von Ingwer bestrichen wurde, sondern man auch ein Baumwollstück damit tränken und als Tamponade „in den schmertzhafften Zahn“ stopfen könne. Mehrere Autoren gaben den Ingwer als Bestandteil von Zahntinkturen an. Im alten Indien war Ingwer Bestandteil von Zahnpasten, die man aus Honig, Öl, Salz sowie Pfeffer und Zimt zubereitete und nach dem Kauen von fasrigen Zweigen zur Zahnpflege anwendete.

Die schmerzlindernde Wirkung von ätherischem Öl des Ingwer ist heute wissenschaftlich belegt. Lokal aufgetragen hilft ätherisches öl von Ingwer bei Schmerzen im Rahmen einer Arthritis, Muskelschmerzen, Prellungen, Verstauchungen, Regelschmerzen und Zahnschmerzen. Zudem ist die antibakterielle Wirkung von ätherischem Öl von Ingwer bekannt.

Ätherisches Öl ist im Ingwer zu einem Prozentsatz von 1,5‒3% enthalten und besteht aus Sesquiterpenen wie dem Zingiberen und Monoterpenen, die u.a. für das Aroma verantwortlich sind. Zu den nicht flüchtigen Scharfstoffen zählen die Gingerole und Shogaole. Letzere entstehen erst bei der Lagerung und haben einen schärferen Geschmack. Das ätherische Öl von Ingwer enthält keine Scharfstoffe.

Die neulich veröffentlichte Doktorarbeit beschreibt wie über viele Indikationen eine erstaunliche Konstanz über die Jahrhunderte herrschte. Doch nicht nur im Bereich des Magen-Darm-Traktes gibt es auch nach modernen wissenschaftlichen Methoden nachgewiesene Wirkungen.

Ätherisches Öl von Ingwer besitzt zahlreiche Wirkeigenschaften. Anwendungsgebiete im Magen- Darm-Bereich bestehen bei Verstopfung, Reisekrankheit, Appetitlosigkeit, Blähungen und träger Verdauung in Form von Bädern und sanften Bauchmassagen. Als sehr hautfreundliches ätherisches Öl wird Ingwer gerne bei „seelischem Bauchweh“ eingesetzt. Über die Wirkung gegen schmerzhafte Zustände wurde bereits oben geschrieben, zudem wirkt ätherisches Öl von Ingwer schleimlösend bei chronischer Bronchitis in Form von Einreibungen, Inhalationen und Bädern. Die Psychische Wirkung des ätherischen Öls von Ingwer ist stark beruhigend und aphrodisisch.

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch treten keine Nebenwirkungen auf. Äterisches Öl von Ingwer wird jedoch nicht zur inneren Anwendung bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern empfohlen.


Ingwer

Während der Ingwer derzeit in der Öffentlichkeit eine Renaissance erlebt und fast jeder die aromatische Pflanze kennt, ist der verwandte Galgant heutzutage weitgehend unbekannt.

Man empfahl bei Steinleiden die Einnahme von Galgantöl mit Petersilienwasser: „Es eröffnet auch die Verstopfung der Nieren, [...] und führet den Stein ab, wenn es mit Petersilienwasser getruncken wird.“

Der Galgant war bei den griechischen und römischen Ärzten noch nicht bekannt. Die Pflanze kam erst durch den arabischen Fernhandel seit dem 9. Jahrhundert nach Europa.

Von arabischen Ärzten überliefertes Wissen trug dazu bei, dass der Galgant als Heilpflanze Bedeutung erlangte und im gesamten Mittelalter bis in die Neuzeit eine geschätzte Pflanze war. Vor allem die Anwendungen bei Magen-Darm-Beschwerden, werden nach modernen Forschungsergebnissen bestätigt.

Die vorliegende Publikation wird von der Universität Würzburg, von der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt bzw. Leipzig und/oder der zuständigen Sondersammelgebietsbibliothek frei unter unten stehendem Link im Internet angeboten.

Tipp:
Ingwertee mit Zitrone zubereiten. 


1 Kommentar:

  1. Gerade bei Nierenkoliken ist eine Ingwerkompresse auf den unteren Rücken des Patienten eine ausgezeichnete Hilfe. Der Ingwer wird frisch fein verrieben und in eine Kompresse eingestrichen, im heissen Wasserbad erhitzt, vorsichtig aufgelegt und mit einem Badetuch ein Wickel gemacht. Nach einer halben Stunde wird der Wickel wieder abgenomen und die behandelte Stelle mit Kokosöl sanft eingerieben. Die Wirkung ist phänomenal!

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