Donnerstag, 1. März 2012

Atopisches Ekzem - Neurodermitis natürlich behandeln

In Industrieländern sind 10-20% der Kinder und 1-3% der Erwachsenen Neurodermitiker/Atopiker. Die Krankheitshäufigkeit hat sich in Industrieländern in den vergangenen drei Jahrzehnten fast verdreifacht.

Der Neurodermitis wurden im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Namen gegeben. Die wichtigsten Synonyme für das atopische Ekzem lauten Neurodermitis disseminata, atopic dermatitis, endogenes Ekzem, atopische Dermatitis und Neurodermitis atopica.

Die Neurodermitis ist eine chronisch wiederkehrende, entzündliche Hauterkrankung, die mit unterschiedlich starkem Juckreiz einhergeht. In den einzelnen Lebensabschnitten sind meist unterschiedliche Körperstellen von der Neurodermitis betroffen.

Im Kleinkindalter kann die Neurodermitis sich über den gesamten Körper ausbreiten und ist häufig nässend. Schulkinder trifft die Neurodermitis bevorzugt in Form eines Ekzems an den Armbeugen und Kniekehlen. Bei Erwachsenen tritt Neurodermitis eher kleinflächig an Stellen wie Lidern, Genitalien, Händen, Nacken auf, in besonders schweren Fällen auch großflächig den ganzen Körperstamm betreffend. 

Neurodermitis am Arm eines 5-jährigen Kindes. 

Die Ursachen welche heutzutage für die Art und Schwere einer Neurodermitis verantwortlich gemacht werden sind einerseits genetische Faktoren. Auf der anderen Seite spielen verschiedene Auslöser z.B. Allergenbelastung, Klima, Stress, posttraumatische Belastungsstörungen und Schadstoffbelastungen eine Rolle, die zum Ausbruch der Erkrankung führen können.

Selbst die unauffällige Haut bei einem Patienten mit Neurodermitis ist trotz Erscheinungsfreiheit nicht dieselbe wie bei einem gesunden Patienten. Bei genauer Betrachtung zeigt sich eine erhöhte Hauttrockenheit und erhöhte Irritierbarkeit der Haut betroffener Personen.

Abhängig vom Alter des Patienten und vom Schweregrad der Neurodermitis zeigen sich unterschiedliche Stadien eines Ekzems. Angefangen von nässenden Erythemen bis hin zur blassen, trockenen, schuppenden, meist zerkratzten Haut, weil anfallsartiger, quälender Juckreiz das Bedürfnis sich zu kratzen auslöst.

Konventionelle Behandlungsmethoden basieren auf chemisch-synthetischen Mitteln. Die Schulmedizin setzt auf Medikamente wie Pimecrolimus und Tacrolimus (Calcineurin-Inhibitoren). Ebenso Glukokortikoide, die zur Behandlung akuter Ekzemschübe angesagt sind. Ausserdem kommen Antibiotika bei bakteriellem Befall erkrankter Hautstellen zum Einsatz und auch Antihistaminika wie Dimetinden, Desloratadin oder Levocetirizin. Bei schweren Formen ist die Gabe von Chemotherapeuetika, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) wie Ciclosporin, Methotrexat, Azathioprin und  Mycophenolatmofetil möglich.

Dabei wird oft vergessen, dass es auch zahlreiche wirksame alternative Behandlungsmethoden gibt. Die alternativen Methoden sind bei leichteren Formen mit umschriebenen Herden als äusserliche Therapie ausreichend. Auch innerlich können einige der folgend genannten, pflanzlichen Präparate eingenommen werden. Bei schweren Formen der Neurodermitis können sie unterstützend wirken und das Wohlbefinden der Betroffenen steigern, indem sie durch Abschwächung der Symptome Erleichterung schaffen.

Für die äussere Therapie der Neurodermitis haben sich beim relativ plötzlich auftretenden und auch beim chronischen Stadium Ringelblumensalben (z.B. Calendumed, Weleda Calendula Babycreme), Hamamelis (z.B. Hamameliswasser, Hametum, Hamsana Hamamelis Salbe), Dulcamaris (z.B. Cefabene Salbe) als wahrlich hilfreich erwiesen.

Dulcamaris, Solanum dulcamara (Bittersüßstengel) aus der Familie der Nachtschattengewächse, kann auch innerlich eingenommen werden (z.B. in Cefabene Tropfen, Tabletten). Die Pflanzenextrakte enthalten Steroidsaponine, die steroidähnliche Wirkungen haben, Gerbstoffe und Steroidalkaloidglykoside.

Des Weiteren eignet sich besonders das Öl der Samen der Oenothera biennis (gemeine Nachtkerze; Nachtkerzenöl), die zu 60-80% aus Linolsäure und zu 8-14% aus Gamma-Linolensäure, einer Omega-6-Fettsäure, besteht. Innerlich eingenommen beträgt die Dosierung: 2-3 g/Tag (4-6 Kps. Manuka Nachtkerzenöl Kapseln). Die Gamma-Linolensäure kann systemisch (Quintesal) oder lokal (Linola-Gamma oder als Rezeptur) zugeführt werden.


Nachtkerze (Oenothera biennis)

Borretschsamenöl und Hanföl ist ebenfalls reich an Gamma-Linolensäure und kann innerlich (z.B. Glandol, Borretschöl-Kapseln) oder äusserlich bei Neurodermitis als Rezeptur aufgetragen werden.

Im chronischen Stadium der Neurodermitis sind fetthaltig Salben, Cremes oder Öle empfehlenswert. Gute Erfolge hat man mit Nachtkerzenöl-Cremes (z.B. Eucerin 12% Omega, Lipoderm Omega, Linola gamma), auch in Kombination mit feuchten Umschlägen, z.B. kalter Schwarztee oder physiologische Kochsalzlösung.

Zur Hautreinigung bei Neurodermitis nicht zu empfehlen sind handelsübliche parfümierte Seifen, Schaumbäder und Syndets. Der Gebrauch von Seifen, Wasch- und Spülmitteln sollte der Haut zu Liebe auf ein Minimum reduziert werden. Empfehlenswert sind rückfettende Waschlotionen (Eucerin pH5 Waschlotion, Lipoderm Duschgel).

Die Verwendung von Badeölen (Linola Fett Ölbad, Balneum Hermal Ölbad) ist hervorragend zur Hautpflege bei Neurodermitis geeignet. Zweckmäßig sind auch Öl/Tensid-Kombinationen (z.B. Eucerin Duschöl, Lipoderm Duschgel). Besonders geeignet sind selbst hergestellte Ölbäder, da sie frei von Konservierungsstoffen und unnötigen Allergenen sind.

Günstig ist auch das Baden in kühlem, salzhaltigem Meerwasser bei intakter Hautoberfläche. Anschließend sollte das Salzasser abgeduscht werden und die Haut eingecremt werden. Bei sehr trockener Haut ist es gut nach dem Abtrocknen eine Emulsion, Creme (z.B. Ungt. emulsif. aq., Eucerin Lotio, Excipial U Lipolotio oder Excipial U Hydrolotio usw.) oder ein selbstgemischtes Öl entsprechend der Verträglichkeit aufzutragen.

Dermatologisch wurde bei Neurodermitis das bereits genannte fette Öl der Nachtkerze getestet. Es sind mehrere Mischungen von Nachtkerzenöl mit ätherischem Öl möglich. Diese verbessern einerseits den Duft des Nachtkerzenöls und wirken zudem selbst hautberuhigend, regenerierend und antiallergisch. Relevante ätherische Öle sind z.B. Benzoe, Cistrose, Lavendel, Rose, Sandelholz, Narde, Neroli, Zeder.

Die Hauttrockenheit bei der Neurodermitis (Xerose) ist teilweise abhängig von der Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. Übertriebenes Beheizen der Wohn- und Arbeitsräume sollte vermieden werden und eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit sowie eine optimale Belüftung der Räume angestrebt werden.

Um bei Neurodermitis Juckreizkrisen durch Wärmestau und Schweißbildung zu vermeiden sind atmungsaktive Kleidung, locker gewebte Baumwolle und Textilien aus Seide (z.B. Dermsilk mit einer antimikrobiellen Komponente) zu bevorzugen. Nicht zu empfehlen sind bei Neurodermitis tierische Materialien (Wolle, Felle), unebene raue Stoffe, aber auch Materialien aus atmungsinaktiven Kunstfasern. Einen hemmenden Einfluss auf die Staphylokokken-Besiedlung bei neurodermitis scheinen silberbeschichtete Textilien zu haben (z.B. Padycare).

Des Weiteren kann die Verbesserung des Hautzustandes bei Neurodermitis erreicht werden, indem eine Bestrahlungstherapie/ Phototherapie (UV-Therapie) durchgeführt wird. Nach einer brasilianischen Studie kann eine Schmalband UVB-Therapie die bakterielle Besiedelung (Staphylokokkus aureus) auf bakteriell befallener Haut deutlich reduzieren.

Sonne und UV-Exposition wirken sich in der Regel lindernd auf das Ekzem aus. Gelegentlich liegt bei Neurodermitis jedoch auch eine erhöhte UV-Empfindlichkeit vor. Die Klimatherapie ist eine sehr wirksame und nebenwirkungsarme Maßnahme zur Besserung der Krankheitserscheinung.  Für eine Kur ist das Hochsee- (z.B. Borkum, Norderney oder Sylt) oder Hochgebirgsreizklima (Höhenlage über 1500 m, z.B. Davos), vor allem im Frühjahr und Herbst ist sehr zu empfehlen. Die Mindestdauer einer Kur beträgt ca. 4 Wochen. Die Antragsstellung erfolgt bei den Krankenversicherungen oder Rentenversicherungen durch den Haut- oder Allgemeinarzt.

Pauschaldiäten bei Neurodermitis zur Allergenvermeidung sind zu verwerfen. Das Wichtigste für die Ernährung ist die Selbsterfahrung des Patienten mit seiner Erkrankung!


Video von blühenden Nachtkerzen im Oktober:





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