Freitag, 2. März 2012

Juckreiz natürlich behandeln - Teil 2 Menthol

Juckreiz ist das vorherrschende Symptom vieler Hautkrankheit. Die häufigsten mit Juckreiz verbundenen Hauterkrankungen sind Ekzeme, einschließlich Neurodermitis, trockene Haut oder Kontakt-Dermatitis. Psoriasis und Lichen planus sind andere häufige Erkrankungen der Haut, die mit Juckreiz verbunden sind.  Aufgrund der schlecht verstandenen Zusammenhänge, hat sich die Entwicklung moderner Behandlungsmethoden gegen Hautjucken als besonders schwierig erwiesen. Derzeit gibt es keine allgemein anerkannte Therapie für das Symptom Juckreiz.

Die Therapie von Juckreiz ist stets eine Herausforderung und muss individuell für jeden Patienten angepasst werden. Bislang umfassen die gebräuchlichsten äusserlichen Behandlungsmöglichkeiten Feuchtigkeitszufuhr mit Lotionen oder Cremes und das Auftragen von Zubereitungen mit Capsaicin oder Menthol. In der Pflanzenheilkunde und Aromatherapie werden häufig auf die Haut aufzutragende Zubereitungen von mentholhaltigem ätherischem Öl der Pfefferminze dazu verwendet, um Juckreiz zu beruhigen sowie Reizungen und Entzündungen zu lindern. 


Pfefferminze (Mentha × piperita) Blattgold Dr.Becker

Pfefferminze (Mentha piperita) ist eine beliebte Pflanze, die in zahlreichen Darreichungsformen verwendet werden kann (ätherisches Öl, Blatt-Extrakt, Hydrolat). Ätherisches Öl der Pfefferminze ist ein rein pflanzliches Produkt, dass in Cosmeceuticals, Körperpflege-Produkten, Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten für bessere Geschmacks- und Dufteigenschaften verwendet wird. Ätherisches Öl der Pfefferminze besitzt einen frischen, scharfen Mentholduft und hat einen scharfen Geschmack, auf den ein kühlendes Gefühl folgt. Es hat auch eine Vielzahl von therapeutischen Eigenschaften und wird in der Aromatherapie sowie in Form von Badezusätzen, Mundspülungen, Zahnpasten und Cremes verwendet.


Frau die ein Baby badet

Bei Kleinkindern kann bei Ekzemen mit Juckreiz eine Pfefferminzwaschung durchgeführt werden. Dafür benötigt man 1 TL Pfefferminzblätter, die mit 300 ml kochendem Wasser übergossen werden und 10 Minuten bedeckt ziehen gelassen werden. Es ist wichtig das Gefäß abzudecken, damit das ätherische Öl aus den Blättern der Pfefferminze sich nicht verflüchtigt. Die kodensierten Tropfen, die sich an der Abdeckung des Teegefäßes gesammelt haben, werden nach 10 Minuten wieder zurückgeschüttet und der Tee in einem Liter Waschwasser weiter verdünnt.

Video Heilpflanze Pfefferminze: 




Ätherisches Pfefferminzöl
 
Für eine Waschung mit Pfefferminze kann auch direkt ätherisches Öl der Pfefferminze verdünnt werden. Es werden 1-3 Tropfen ätherisches Öl der Pfefferminze und 1 Liter Wasser zusammen in eine Flasche gegeben und diese Mischung wird ordentlich durchgeschüttelt. Dann kann mit einem Waschlappen das juckende Körperteil oder bei Fieber der gesamte Körper, abgewaschen werden. Vor jeder Anwendung darf das kräftige Schütteln zur besseren Feinverteilung des ätherischen Öls der Pfefferminze nicht vergessen werden. Über eine Reizung der Kälterezeptoren in der Haut wirken äusserliche Anwendungen von
ätherischem Öl der Pfefferminze kühlend und schmerzlindernd.

Es ist jedoch Vorsicht geboten. Es sind zahlreiche allergische Kontaktdermatitis-Reaktionen auf
ätherisches Öl der Pfefferminze beschrieben worden, deshalb sollte erst an einer kleinen Hautstelle getestet werden, ob die Waschung mit ätherischem Öl der Pfefferminze vertragen wird. Reines ätherisches Öl der Pfefferminze darf erst ab einem Alter von sechs Jahren verwendet werden. Die milde Teeverdünnung kann bereits bei Säuglingen eingesetzt werden, sofern das Gesicht ausgelassen wird.  Bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Gesicht und speziell die Nase nicht in die Waschung einzubeziehen, weil es zum sogenannten Kratschmer-Reflex (Glottiskrampf) mit Atembeschwerden bis hin zur Erstickung kommen kann. Bei sachgemässer Anwendung besteht diese Gefahr nicht.

Die Behandlung von chronischem Juckreiz ist nicht nur in der Kinderheilkunde sondern ebenfalls in der Altenpflege ein wichtiges Thema. Die älteren und pflegebedürftigen Menschen repräsentieren das am schnellsten wachsende Segment der Bevölkerung und die häufigste Hautkrankheit in dieser Altersgruppe ist Juckreiz. Die Behandlung von Juckreiz bei älteren Menschen stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar. Juckreiz im fortgeschrittenen Alter kann aus einer Vielzahl von Ursachen herrühren, wobei trockene Haut (Xerosis) den häufigsten Grund darstellt. Darüber hinaus sind bestimmte Haut- und Organerkrankungen, die mit Juckreiz verbunden sind häufiger bei älteren Menschen. 

Derzeit gibt es keine allgemein anerkannte Therapie für Juckreiz. Gegenwärtig muss bei der Therapie von Juckreiz bei älteren Menschen ein Mittel ausgewählt werden, das eines individuellen, maßgeschneiderter Ansatzes unter Berücksichtigung des allgemeinen Gesundheitszustands, dem Schweregrad der Symptome und möglichen Nebenwirkungen der Behandlung gerecht wird. Körperliche und geistige Einschränkungen, Nebenerkrankungen und die Einnahme verschiedenster Medikamente sind einige Aspekte, welche die Wahl der Behandlung in dieser Altersgruppe beeinflussen können.

Evidenzbasierte Informationen und deren Auswertung für die Planung der Pflege bei Patienten mit Juckreiz ohne sichtbare Zeichen auf ihrer Haut sind nur spärlich vorhanden. Die meisten Pruritus Studien wurden über Juckreiz mit Hautausschlag oder Juckreiz bei organischen Ursachen wie Leber- oder Nierenversagen erstellt. Die zu geringen Informationen in diesen Studien genügen meist nicht, um sie als Lösung der komplexen, individuellen Situation eines realen Patienten anzuwenden. Die Anregungen für die klinische Therapie, welche aus den Studien gewonnen werden können, sind beispielsweise die Ursachen und Faktoren welche den Juckreiz verschärfen und diese Ursachen und Faktoren sind bei jedem Patienten neu zu bewerten. 

Es kann ein Versuch unternommen werden die Haut nur mit Wasser zu waschen, also ohne Seife und trockene Haut mindestens einmal täglich mit verdünntem ätherischen Öl der Pfefferminze einzureiben. Zu viel Hitze durch Abdecken des Patienten sollte vermieden werden, so dass es gerade genug für ihn oder sie ist, um ein Frieren zu verhindern. 

Eine Waschung mit Menthol in kühlem Wasser oder Alkohol emulgiert kann helfen, aber es gibt keine Studienergebnisse die genau vorhersagen können, dass eine von diesen vorgeschlagenen pflegerischen Maßnahmen mit Sicherheit hilft. Weitere Untersuchungen über die Wirksamkeit von Interventionen gegen Juckreiz sind dringend erforderlich. 

Für Waschungen werden ca. 5-10 Tropfen Pfefferminz bzw. Minzöl in 1 Liter Wasser durch heftiges Schütteln verteilt, anschliessend mehrmals täglich damit gewaschen. Für Einreibungen verwendet man 5-10% ätherisches Öl der Pfefferminze gelöst in Pflanzenöl und trägt ca 20 Tropfen mehrmals täglich auf die betroffenen Hautstellen auf. Auch Bäder sind möglich, dafür 2-4 Tropfen, nicht jedoch mehr als 10 Tropfen, durch Zugabe von ein wenig Milch im Badewasser emulgieren.

Eine 1%-ige Menthol-Lösung zur Einreibung enthält
Menthol                             1,0
Isopropanol 70%    ad    100,0
 
und kann in Apotheken hergestellt werden. Diese 1%-ige Menthol-Lösung wird 2–3mal/Tag auf die juckenden Hautstellen aufgetragen. Weil die Menthol-Lösung Alkohol enthält brennt sie auf offenen Hautstellen! Die Aufbrauchfrist beträgt 2 Jahre. Die 1%-ige Mentholmischung wird zur symptomatischen Therapie folgender Zustände empfohlen: Bremsenstich, Flohstich, Mückenstich,
Juckreiz (Pruritus) ,Urtikaria (Nesselsucht).
 
Eine Mentholhaltige Creme zur äußerlichen Anwendung wirkt kühlend. Äußerlich wird eine 5%-ige Mentholcreme 2–3mal/Woche angewendet. Augenkontakt ist zu vermeiden. Die Aufbrauchfrist beträgt 6 Monate. Folgendes Rezept kann in Apotheken gemischt werden und es ist hilfreich gegen Juckreiz.
 
Menthol-Creme 5%
Menthol                           5,0
Polysorbat 60                  5,0
Cetylstearylalkohol         10,0
Glycerol 85%                 10,0
Sorbinsäure                     0,05
Kaliumsorbat                   0,07
Vaselinum album           25,0
Aqua purif.    ad           100,0
 

Menthol ist der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff des ätherischen Öls, das aus der Ackerminze, Menthae arvensis aetheroleum, oder der japanischen Minze, Menthae arvensis var. Piperascens, gewonnen wird. 


Ackerminze

Das ätherische Öl der Minze (ist nicht identisch mit dem ätherischen Öl der Pfefferminze) in Arzneibuchqualität wird durch 9 Monoterpen-Derivate gaschromatographisch charakterisiert. Das billigere ätherische Öl der Minze wird zum Strecken des teureren ätherischen Öls der Pfefferminze verwendet. Menthol findet wie bereits besprochen Verwendung in der Therapie von Juckreiz. Als Kontraindikation wird die Anwendung bei Kleinkindern genannt, weil es durch eine falsche, zu hohe Dosierung zu Kehlkopfkrämpfe bis hin zum Erstickungstod auslösen kann.   

Echte Pfefferminze
 
Das echte, ätherische Öl der Pfefferminze wird durch Wasserdampfdestillation der Minzsorte Echte Pfefferminze, Menthae piperitae aetheroleum, gewonnen. Das
ätherische Öl der Pfefferminze besteht aus mindestens 44% freien Alkoholen wie Menthol. Die juckreizstillende Wirkung ist nur eine unter einer großen Anzahl von weiteren Wirkungen, die dem ätherischen Minz- und Pfefferminzöl zugesprochen werden.





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Blattgold Dr.Becker


Quellen:
Ballmer-Weber BK, Dummer R..Pruritus in frequent skin diseases and therapeutic options. Praxis (Bern 1994). 2007 Jan 24;96(4):107-11.
Herro E, Jacob SE. Mentha piperita (peppermint). Dermatitis. 2010 Dec;21(6):327-9.
Bührung, u. Ell-Beiser, H. Girsch, M. Heilpflanzen in der Kinderheilkunde Heilpflanzen in der Kinderheilkunde. Sonntag-Verlag 2008. 1. Auflage. S.33.34.
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Schilcher, H, Kammerer, S. Leitfaden Phytotherapie Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer, 2, Auflage 2003. S.163-164
Schilcher, H, Kammerer, S. Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer, 2, Auflage 2003. S.182-183

1 Kommentar:

  1. Der Juckreiz begleitet mein Leben seit 2 Jahren, da bei mir von Schuppenflechte Hand betroffen ist. Sei präzis, nur die linke Hand. Schon innerhalb von einem Monat lasse ich mich mit 100% Creme natürlich behandeln und ich sehe Ergebnisse. Also das beste Mittel sind Naturmittel!

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