Mittwoch, 29. August 2012

Aromatherapie mit Johanniskraut Rotöl bei Wunden

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine in Europa weit verbreitete, gelb blühende Heilpflanze, aus der heilsames Rotöl gewonnen wird. Rotöl wird seit jeher in der Volksmedizin verwendet um Wunden zu heilen. 

Johanniskraut Rotöl Blattgold Dr.Becker ®

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blattgold Dr.Becker ®
 

Geschichtliches über Rotöl
Im Kräuterbuch von Petro Nylando aus dem Jahr 1724 steht ein Eintrag zu dem aus den Blüten des Johanniskraut gewonnen Rotöl. Die Stelle an der der Gebrauch von Rotöl erwähnt wird ist pink markiert. Schon damals verwendete man Johanniskraut und das daraus gewonnene Rotöl um Wunden zu heilen. Hinter dem Eintrag steht „Fuchsius“, was darauf hinweist, dass Petro Nylando die Schriften und Kräuterbücher von Leonhart Fuchs als Quelle verwendet hat. Leonhart Fuchs war ein deutscher, pflanzenkundiger Mediziner des 16. Jahrhunderts.


Kräuterbuch Eintrag zu Johanniskraut im Jahr 1724

 

Johannis-Kraut
Wächset hin und wieder an den Ecken der Wiesen/ Bau-Felder und andern mit Graß bewachsenen feuchten Erden. Seine Blumen erzeigen sich im Juno oder Julio.
Atzney-Gebrauch.
Wunden zu heilen.
Nimm den ausgedruckten Safft dieses Krauts, und tröpffe es warm darein; aber das von Hyperion Blumen verfertigte Oel ist viel kräfftiger dazu.  Fuchsius.
Vor langwierige Fieber.
Nimm gedörret Johannis-Kraut. 1. Quintlein, gibs vor Ankunfft des Fiebers mit Wein ein.
Vor den Stein/ Blut-auswerffen und Seitenwehe.
Gebrauche jetzt vorgeschriebenes Mittel dawieder. Plinius.
Vor inwendige Versehrung.
Nimm der Blumen eine Hand voll, kochs in ein Viertel Maaß guten Biers, bis ein Drittheil davon eingesotten, percoliere es, thue ein wenig Buttter dazu, und laß es den Patienten warm einnehmen.  Ravelingius.
Vor die Gelbsucht.
Nimm Johannis-Kraut-Blumen und Blätter, koche es in Wein oder Wasser, und lasse davon alle Morgen ein Gläßlein voll trinken. Joh. Stocker.


Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blattgold Dr.Becker ®



Studien über die Wirksamkeit von Rotöl bei Wunden
Die Wirksamkeit eines Wundverbandes mit einer Mischung aus Rotöl (Hypericum perforatum) und Neemöl (Azadirachta indica) wurde bei Patienten getestet. Diese hatten Wunden der Kopfhaut mit freiliegendem Knochen nach der Entfernung von Hauttumoren. Neemöl (oder Niemöl) ist ein pflanzliches Öl, das aus den Samen des Niembaumes gewonnen wird. Es wurde die Zeit der Heilung, Wundgröße, Einfachheit der Handhabung, Schmerzen und Komplikationen ausgewertet. Es konnte eine schnelle Wundheilung beobachtet werden. Die Verbandwechsel waren einfach, schmerzfrei und es gab keine Komplikationen. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Wundversorgung mit einer Mischung aus Rotöl und Neemöl eine sehr einfach zu handhabende, sichere und wirksame Therapie für die Behandlung von Wunden der Kopfhaut mit freiliegendem Knochen ist.[1] Eine andere Studie gelangte zu dem Ergebniß, dass die entzündungshemmende Aktivität des aus den Blüten von Johanniskraut mit Olivenöl gewonnenen Rotöls entscheidend zur Wundheilung beiträgt.[2]

Moderne Anwendungsgebiete von Rotöl
Rotöl wird zur Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen sowie von leichten Verbrennungen der Haut und Sonnenbrand empfohlen. Bei Muskelschmerzen (Myalgie), deren Ursache Muskelkater ist, sowie bei Verhärtung der Muskulatur und Stoffwechselentgleisung (Myogelosen) in einem stark beanspruchten Muskel, wird Rotöl äusserlich angewendet. Auch bei anderen Arten von Muskelverspannungen sowie nach stumpfen Verletzungen wie Prellungen und Schmerzen der Sehnen und nicht knöchernen Gelenkstrukturen eignet sich Rotöl zur Behandlung, Nachbehandlung und Lockerungsmassage. Der ölige Auszug aus den frischen Blüten des Johanniskrauts kann bei Bedarf auch innerlich eingenommen werden, dann hat er aber eine andere Wirkung. Innerlich eingenommen wirkt Rotöl bei nervösen Reizzuständen des Magens und krampfartigen Beschwerden des Magen-Darmtraktes (dyspeptische Beschwerden) wie z.B. Reizmagen. Von Hebammen wird die Verwendung von Rotöl zur Pflege von Babypopos befürwortet. Zur Aromatherapie lässt sich Rotöl auch sehr gut mit ätherischen Ölen mischen, z.B. ätherisches Öl von Lavendel und Rotöl bei Wunden und Verbrennungen. Aromatherapie mit Rotöl ist aber auch wie geschaffen für die Wochenbettbetreuung z.B. zur Narbenpflege nach Kaiserschnitt.

Rotöl aus Johanniskraut selber herstellen
Mit einem fetten Öl wie z.B. Olivenöl oder Sonnenblumenöl wird aus den Blüten und oberen, zarten Blättchen des Johanniskrautes das fettlösliche ätherische Öl herausgelöst. Rotöl wird aus den frischen Blüten und oberen Blättchen des Johanniskrautes (Hypericum Perforatum) hergestellt, indem ein Mazerat im Verhältnis 1:10 mit Pflanzenöl, z.B. Olivenöl, angesetzt wird. Die Ölmazeration erfolgt über mehrere Wochen, bis der Ölauszug eine leuchtend rote Färbung angenommen hat. Das aus Johanniskraut gewonnenen Öl wird als Rotöl bezeichnet, weil es während der Mazeration eine rötliche Farbe annimmt. Nach der Mazeration wird das Pflanzenmaterial abgegossen bzw. filtriert. Rotöl lässt sich auch durch Erwärmen herstellen, indem die Blüten des Johanniskrautes bei 50-60 °C einige Stunden unter Rühren schonend augekocht werden. Das schnelle Verfahren des Auskochens der Blüten ist aufgrund der Zeitersparnis vor allem für die industrielle Herstellung von in Massen hergestellten Produktionen für den Handel von großer Bedeutung.

Johanniskraut in Sonnenblumenöl im Glas Blattgold Dr.Becker ®

Nach 4 Wochen entsteht Rotöl Blattgold Dr.Becker ®


Fazit für Rotöl bei Wunden
Geschichtlich ist der Gebrauch von Rotöl für Wunden belegt. Aktuelle wissenschaftliche Studien bestätigen die Wirksamkeit von Rotöl bei der Heilung von Wunden. Rotöl ist ein traditionelles Hausmittel, das sich leicht aus den gelben Blüten des Johanniskrautes selbst machen lässt.



Quellen:
[1] Läuchli S, Hafner J, Wehrmann C, French LE, Hunziker T. Post-surgical scalp wounds with exposed bone treated with a plant-derived wound therapeutic. J Wound Care. 2012 May;21(5):228, 230, 232-3.
[2] Süntar IP, Akkol EK, Yilmazer D, Baykal T, Kirmizibekmez H, Alper M, Yeşilada E. Investigations on the in vivo wound healing potential of Hypericum perforatum L. J Ethnopharmacol. 2010 Feb 3;127(2):468-77. Epub 2009 Oct 13.
[3] Schilcher, H., Kammerer, S.. Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer, 2. Auflage.2003. S.753
[4] Wabner, D., Beier, C. Aromatherapie. Urban & Fischer, 1. Auflage 2009.

1 Kommentar:

  1. Tolle und interessante Anregungen hast du hier gesammelt. Diese ganzen alten Rezepte und neuen
    Erkenntnisse hier aufzuzeigen ist eine super Idee.
    Ich lese hier immer wieder gern.

    Viele liebe Grüße Urte

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