Montag, 8. Oktober 2012

Hexen und Zauberpflanzen

Der Oktober bietet die Gelegenheit einen Ausflug in die Welt der Hexen und Zauberpflanzen zu machen. Hexen und Halloween, das in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November stattfindet, sind untrennbar miteinander verbunden. Der Zusammenhang zwischen Halloween und Hexen kommt aus dem keltischen Glauben, dass in dieser Zeit des Übergangs zwischen dem alten und neuen Jahr die Barriere zwischen dieser Welt und der Anderswelt, wo die Toten und übernatürlichen Wesen lebten, durchlässig wird.[1]



Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) Blattgold Dr.Becker ® 


Pflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse
Nachtschattengewächse haben seit alters her das besondere Interesse der Menschen gefunden, sei es als Giftpflanzen und Arzneipflanzen (Alraune, Bilsenkraut, Tollkirsche), als wichtige Nahrungsmittellieferanten (Aubergine, Kartoffel, Tomate), als Gewürzpflanzen (Paprika) oder als Genuß- und Rauschmittel (Tabak, Stechapfel).[2] Die Rauschpflanzen unter den Nachtschattengewächsen Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel und Alraune enthalten als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe ein hochwirksames Alkaloidgemisch.


Virginischer Tabak (Nicotiana tabacum)  Blattgold Dr.Becker ®


Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) Blattgold Dr.Becker ®


Hexensalbe
Die Rezepte für Hexensalbe bzw. Flugsalbe enthalten immer Nachtschattengewächse.[3] „Insbesondere als Aphrodisiakum oder als aphrodisierend geltende Zauberpflanzen waren Bestandteile der Hexensalbe. Neben den verschiedenen giftigen Nachtschattengewächsen waren Hanf, aus Schlafmohn gewonnenes Opium, Nieswurz, Wolfsmilch, Schierling und Wasserschierling, Petersilie, Brunnenkresse und Schwertlilie mögliche Bestandteile der Hexensalbe.[4],[5],[6],[7],[8] In der Kultur der Hexen und weisen Frauen ist offenbar das Wissen über Rauschpflanzen hoch differenziert gewesen. Hexen benutzten derartige Zauberpflanzen laut schriftlich überlieferten Zeugenaussagen aus Hexenprozessen für ihre schwarze Kunst.[9] Die Angst vor Schwarzer Magie und Hexerei, die sich im Mittelalter ausbreitete und bis ins 18. Jahrhundert anhielt, hatte zur Folge, dass viele Kräuterfrauen argwöhnisch beobachtet wurden, obwohl ihre Heilkunst den Menschen half: Je wirksamer die Kräutermischungen waren, desto näher lag der Verdacht, dass diese Teufelswerk seien. Nicht selten wurden daher die Kräuterfrauen als Hexen verfolgt.“[10] Die Hexen bzw. Kräuterfrauen haben jedenfalls mit ihren Rezepten auf der Höhe der Zeit gestanden. Ärzte haben damals ganz ähnliche Kräutermischungen verschrieben, nur mit lateinischen Namen.


Weißer Stechapfel (Datura stramonium) Blattgold Dr.Becker ®


Magische Krankheitsbehandlung
Der aus vorchristlichen Zeiten überlieferte Schatz an Heilpflanzen wurde teilweise mit abergläubisch-magischen Vorstellungen, entsprechend dem jeweils vorherrschenden Zeitgeist, vermischt. Eine besondere Stellung nahmen die Zauberpflanzen ein, die bei magischen Praktiken verwendet wurden. Die Anwendung von Zauberpflanzen und Besprechung gehen auf heidnisches Brauchtum zurück. Das magische Konzept der Krankheitsbehandlung dient seit dem Altertum zur Erklärung sowie Rechtfertigung von Eingriffen mit denen man Krankheiten zu verhütete und heilte. Über den möglichen Placeboeffekt der Zauberkuren hinaus sind Heilpflanzen, die als Zauberpflanzen verwendet wurden, tatsächlich wirksam.


Schlafmohn (Papaver somniferum) Blattgold Dr.Becker ®

Schlafmohn (Papaver somniferum) Blattgold Dr.Becker ®


Hexenprozesse
Mit Sicherheit kann man sagen. dass es einen im Umgang mit den Rausch- und Giftpflanzen der Flora wie Nachtschattengewächsen besonders versierten Personenkreis gab, dessen Wissen aus der heidnischen Zeit überliefert war. Seine Mitglieder wurden im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit verfolgt und oft hingerichtet. Mit der Ausrottung des Heidentums erloschen beispielsweise die Kenntnisse über pflanzliche Verhütung und Abtreibung, sowie über Rauschmittel. Aus dieser Zeit sind deshalb nur wenige Dokumente erhalten.

Schlussgedanke zu Hexen und Zauberpflanzen
Ein ketzerischer Schlussgedanke „Ging es bei der Bekämpfung des Hexenwesens womöglich um die Unterbindung bestimmter medizinischer Praktiken? “[11]


Blattgold Dr.Becker ®



Quellen:
[1] https://pantherfile.uwm.edu/barnold/www/lectures/holloween.htm
[2] 148 Frohne/ Pfänder. Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen. S.201. 2.
Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1983.
[3] Ferckel, S. : >Hexensalbe< und ihre Wirkung. S.414. Kosmos 50, 1954.
Richter, E. : Der nacherlebte Hexensabbat. Zu Will-Erich Peuckerts Selbstversuch mit Hexensalben. S.97.In:
Forschungsfragen unserer Zeit /, 1969.
[4] Scherf, Gertrud. Zauberpflanzen Hexenkräuter. – Mythos und Magie heimischer Wild- und Kulturpflanzen
S.45. BLV Verlagsgesellschaft mbH München Wien Zürich, München 2003.
[5] Golowin, S. : Magie der verbotenen Märchen – von Hexendrogen und Feenkräutern. 3. Aufl., Hamburg 1979.
[6] Hansen, H. A. : Der Hexengarten. München 1980.
[7] Marzell, H.; Zauberpflanzen – Hexentränke, Stuttgart 1964.
[8] Mrsich, W. : Erfahrungen mit Hexensalben. In: Unter dem Pflaster liegt der Strand, Bd. 5, 1978.
Porta, G. : Magia naturalis. 1568.
[9]  „Nachlass Familie Krause. Ludwig Johann Eduard Krause. Hexen, Zauberer und Aberglaube, 14. bis 20.
Jahrhundert. Bd 2 1904-1924 (Stadtarchiv Rostock 1.4.17.260) Pflanzen im Aberglauben bei Teufel, Hexen, etc.
[10] Davies, G. Die Zeittafel der Medizingeschichte. S.14. Originaltitel: The Timechart history of Medicine. 2000
für die deutsche Ausgabe: Könemann Verlagsgesellschaft mbH. Bonner Str: 126, D-50968 Köln, 2000.
[11] Mögenburg, Harm/ Schwarz, Uta. Hexen und Ketzer der Umgang mit Minderheiten vom Mittelalter bis
heute. S. 53. Unterrichtswerkstadt Geschichte und Politik. 1. Aufl., Hrsg. Hans Endlich. Verlag Moritz
Diesterweg. Frankfurt am Main, 1987.

Kommentare:

  1. Hallo,
    wow, Du hast aber einen sehr informativen Blog! Habe mich gleich mal eingetragen - das finde ich sehr interessant hier. Ich liebe Pflanzen und habe zumindest als Teenager und junge Studentin massenweise Naturheilkunde-Buecher verschlungen. Ich freue mich auf Deine Posts!
    LG, Appelgretchen

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  2. Liebe Michaela,
    erst einmal herzlich Willkommen auf meinem Blog! Ich habe gleich einmal einen Gegenbesuch gestartet und finde Deinen Blog sehr interessant, freue mich auf weitere Posts und werd mich gleich eintragen!
    liebe Grüße Marion

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  3. Vielen Dank! Das ist sehr lieb von Euch. Ich hoffe ich kann Eure Erwartungen erfüllen und noch weitere interessante Themen bloggen, die Euch gefallen.

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Michaela

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  4. Hallo Michaela.
    Komme eben auf einen Gegenbesuch bei dir vorbei.Interessante Dinge gibt es bei dir.Über Heil-und andere Pflanzen kenne ich mich garnicht aus.Jeder hat so sein Gebiet.Jetzt hast du auch eine Leserin mehr.
    Schönes WE und lieeb GRüße Jana.

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  5. Hallo Michaela
    was für schöne Bilder und natürlich wieder interessante Texte!
    LG Moni

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  6. Hallo, Michaela, ja, für mich ist das hier auch sehr spannend, meine Mutter hat mich ein bisserl mit ihrem Kräuterhexen-Interesse angesteckt (ging bei ihr aber nicht so in die Giftpflanzenecke, sondern mehr in Richtung Scharfgarbe, Salbei, Lindenblüten, Bärlauch & Co. :o)) Den Stechapfel finde ich auch optich sehr reizvoll, da muss ich mich mal näher schlau machen. Und jetzt trag ich mich hier auch mal als Leserin ein! :o))
    Achja: Heuer werde ich Halloween erstmals in den USA erleben, bin schon neugierig :o))
    Schönes Wochenende und liebe Rostrosengrüße, Traude
    PS: Magst du nicht vielleicht auch deine Sicherheitsabfrage abschalten (?) - in dieser neuen Version kann man sie nämlich kaum lesen, es ist ein Graus.
    Eine "Anleitung" dazu gibt es übrigens hier: http://herz-und-leben.blogspot.com/2012/02/sicherheitsabfrage-spamschutz.html
    oder hier:
    http://graenni.blogspot.com/2012/02/sicherheitsabfrage-abstellen-so-gehts.html
    (⁀‵⁀,) ✿
    .`⋎´✿✿¸.•°
    ✿¸.

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  7. Freut mich, dass dir der "indisch angehauchte" Laden gefällt - dein neuer Header ist ebenfalls sehr schön gelungen.
    Irgendwie passt dieser Header zu einem Buch, das mir eine Freundin geborgt hat und das ich gerade lese - spielt in Südindinen, wurde von einer Deutschen geschrieben und liest sich bis jetzt (bin knapp bei der Hälfte) sehr fesselnd - "Die Seele der Papaya" - hier findest du eine Buchbeschreibung: http://www.goldstueck.biz/ueberall/archive/2011/03/15/article/die-seele-der-papaya-von-varda-hasselmann.html
    Hast du eigentlich schon gesehen, dass ein auf meienm Blog einen Indien-Reisebericht gibt? (Zu finden in meiner Reisebericht-Leiste unter dem Header)
    Hab ein wunderschönes Wochenende,
    ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ
    Traude
    ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ

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  8. Vielen Dank für die lieben Emma-Glückwünsche! :-)
    LG
    Claudine

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