Dienstag, 10. Februar 2015

Autogenenes Training - was und für wen ist das?

Der Berliner Nervenarzt Johann Heinrich Schultz (1884-1970) entwickelte Autogenes Training aus der Hypnose als Entspannungsverfahren. Im Gegensatz zur Hypnose, die auf Fremdsuggestion beruht, basiert das Autogene Training jedoch auf Eigensuggestion, die sich der Übende selbst gibt. Autogenes Training ist, wie der Begriff „Training“ impliziert, ein übender Weg der Selbstbeobachtung und Selbstbeeinflussung hin zu größerer innerer Ruhe.

Autogenes Training kann man bei einem Therapeuten lernen, dies ist der beste Weg es zu erlernen, oder durch Selbststudium mit einem Hörbuch. Für Einsteiger kann eine kurze Körperwahrnehmung am Anfang hilfreich sein, wie mit geschlossenen Augen im Raum zu sitzen, um sich daran zu gewöhnen den Körper mit geschlossenen Augen wahrzunehmen. Vom Prinzip her läuft eine Sitzung immer ähnlich ab. Bei den Sitzungen steht die Ruhetönung am Anfang als Einstimmungsübung. Anschließend folgt die Formel für Schwere, Wärme, Atem, Herz/Puls, Solar plexus, Stirn. Wichtig ist zum Schluss die Rücknahme, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen: Arme fest – Atem tief - Augen auf.

In dem Video wird eine Anleitung zum AT gegeben:




Das Zusammenspiel von gedanklichen Vorstellungen und körperlichen Veränderungen ist das „Grundprinzip des Autogenen Trainings“. Die Vorstellungen lösen Körperreaktionen aus. Durch das Autogene Training wird eine Tiefenentspannung des gesamten Organismus bewusst und willentlich herbeigeführt. Die Technik besteht im systematischen mentalen Vorstellen von Empfindungen, die mit Hilfe einfacher Formeln wie „mein Arm ist schwer“, wiederholt werden. Der Zustand der Tiefenentspannung ist nicht unbewusst wie im Schlaf, sondern bewusst, veränderbar und kontrollierbar. Mit Hilfe der Vorstellung wird gezielt Einfluss auf körperliche Vorgänge genommen. Die Wahrnehmung der körperlichen Veränderung führt wiederum zu einer Intensivierung der Vorstellung.

Beim Autogenen Training ist Tiefenentspannung wie im Schlaf ein Ziel der Übung  Blattgold Dr.Becker ®


Um Autogenes Training zu üben braucht man mentale Vorstellungskraft und die Bereitschaft seine Aufmerksamkeit auf innere Prozesse zu lenken. Geduld sollte mitgebracht werden, denn auch bei regelmäßigem Üben stellt sich die erwünschte Wirkung womöglich erst nach einiger Zeit ein. Das hängt beispielsweise mit den Erfahrungen mit Entspannungstechniken zusammen oder mit dem Menschentyp. Für einige kann es leichter sein als für andere loszulassen.

Ungünstige Voraussetzungen sind beispielsweise große Unruhe und sehr aktive Menschen. Auch Angst vor Kontrollverlust, eine starke Anspruchshaltung und übersteigertes Leistungsbedürfnis können dem Erreichen eines tiefenentspannten Zustandes im Weg stehen. Wer keine Eigenmotivation mitbringt und auf Wunsch oder Drängen seiner Mitmenschen Autogenes Training macht bringt ebenfalls ungünstige Voraussetzungen mit. Prinzipiell gilt aber, dass jeder Autogenes Training lernen und für sich nutzen kann.

Allgemeine Wirkung von Autogenem Training
Es ist möglich Verhaltensänderungen durch autogenes Training zu bewirken. Dies geschieht durch formelhafte Vorsatzbildungen, also Innere Aufträge, die man sich in der Entspannung gibt. Die Vorsätze werden aus dem Unterbewusstsein umgesetzt und können Einstellungs- und Verhaltensänderungen bewirken, z.B. bei Suchtverhalten, der Raucherentwöhnung, bei einer  Ernährungsumstellung. Die Fähigkeit zu entspannen führt allgemein zur Schmerzlinderung. Die Erzeugung von Kühle oder Wärme in einzelnen Körperregionen verändert die Durchblutung und lindert dadurch Schmerzen. Regelmäßiges Autogenes Training entspannt und erleichtert schnelleres Umschalten auf Ruhe auch in angespannten Situationen. Angst oder Aufregung können nicht gleichzeitig mit Entspannung auftreten. Mit Autogenem Training können somit starke emotionale Reaktionen bei Bedarf aufgelöst werden, ohne sie unterdrücken zu müssen. Zu starke geistige und körperliche Anspannung wird durch das Umschalten auf Ruhe vermieden und Erschöpfungszustände wie Burnout werden umgangen. Die Konzentrations- und Leistungsfahigkeit nimmt zu.

Anwendungsgebiete von Autogenem Training
Entspannung Entspannung gehört zu guter Lebensqualität dazu. Es ist nicht nur etwas für Menschen mit speziellen Leiden, sondern auch für gesunde Menschen gedacht. Darüber hinaus kann Autogenes Training helfen, bestehende Erkrankungen abzumildern bzw. deren Fortschreiten zu verlangsamen oder aufzuhalten. Autogenes Training ist ein wirksames Mittel zur Selbstregulation des Körpers und der Psyche. Es können bei erfolgreichem Training weniger Medikamente z.B. Beruhigungsmittel, eingenommen werden. Autogenes Training hilft bei:
- Schmerzlinderung z.B. Muskelschmerzen oder Rückenschmerzen
- Herz-Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck oder zu niedriger Blutdruck
- Persönlichkeitsentwicklung, Verhaltensänderung
- Liebe, Sexualitat (Loslassen können)
- Sport (bei gleichem technischen Stand entscheidet der mentale Faktor)
- Asthma
- Verdauungsbeschwerden, Magen- Darm-Beschwerden
- Abheilung von Entzündungen


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