Montag, 23. Februar 2015

Chronobiologie, Anti-Aging und das Versprechen ewiger Jugend

Chronobiologie
Die Chronobiologie hat ihren Namen nach dem griechischen Gott der Zeit, Chronos. Dieser wird gelegentlich mit Kronos, dem obersten Gott des Goldenen Zeitalters, verwechselt. Vom Zeitgott Chronos, nach dem das Chronometer bekannt ist, sind aus der Antike keine Standbilder bekannt, Chronos wird erst seit dem 14. Jahrhundert als Greis mit einem – zu dieser Zeit erfundenen Stundenglas – dargestellt. 

Chronos

Ist Chronobiologie der Schlüssel zur Unsterblichkeit? Handelt es sich bei chronobiologischen Nahrungsergänzungsmittel um Nektar und Ambrosia, die Speise der Götter? Zumindest die Werbung verspricht es. Auch die Unsterblichen brauchten etwas zu essen und zu trinken. Sie blieben durch die Götterspeise Ambrosia jung und schön, von den Menschen unterschieden sie sich nur in einem Punkt: Sie waren unsterblich. Chronobiologie steht nicht für Götternahrung, sondern für periodisch organisierte biologische Prozesse. Die Dauer einer biologischen Periode reicht von Sekundenbruchteilen bis zu Jahren. Bekannte Beispiele sind der Schlaf-Wach-Rhythmus und die Menstruation bei der Frau. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, wenn Firmen unter dem Motto der Chronobiologie versprechen, dass ihre Produkte das Altern stoppen bzw. sogar umkehren können, wie es in diesem Video gezeigt wird:



Chronopharmakologie
Die Chronopharmakologie bezieht sich auf spezifische Schwankungen in der Wirkung, rhythmischen Veränderungen der Resorption, der Verteilung im Körper sowie der Abbaugeschwindigkeit und Ausscheidung der Medikamente. Diese Rhythmik scheint vorwiegend durch Rhythmen der Magenentleerungszeit bedingt zu sein, die morgens für feste Bestandteile kürzer ist als abends. Des weiteren hat die Durchblutung des Magens und der Leber einen Einfluss. Auch die Ausscheidung über die Nieren variiert tageszeitlich. Es wurden deutliche tageszeitenabhängige Unterschiede in der Verstoffwechselung dokumentiert. Chronopharmakologische Erkenntnisse finden zunehmend im therapeutischen Alltag Berücksichtigung z.B. bei der Verabreichung von Opioiden. Bei Karzinomschmerzen besteht tagsüber ein erhöhter Opioidbedarf als nachts, bei postoperativen Schmerzen ist er morgens höher als abends.

Orthomolekulare Medizin
Der Begründer der Orthomolekularmedizin ist Linus Pauling (1901 – 1994). Der US-amerikanische Chemiker und Nobelpreisträger vertrat die Auffassung, dass Vitamin C nicht nur Viruserkrankungen, sondern auch Krebs vorbeugen könnte. Linus Pauling wurde 90 Jahre alt und seiner Überzeugung nach erreichte er diese hohe Alter nur Dank der Einnahme hoch dosierter orthomolekularer Substanzen. Bei sich gesund ernährenden Personen haben solche Nahrungsergänzungsmittel keinen Einfluss auf die Gesundheit. Bei einer gesunden Ernährung entstehen kaum Ernährungslücken, die sich schädlich auswirken könnten. Freie Radikal entstehen als natürliches Stoffwechselprodukt im Körper. Ein gesunder Körper besitzt genügend antoxidative Kapazität, um aggressive Sauerstoffverbindungen zu neutralisieren. Einseitige Ernährung, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Stress und Krankheit können zu einem Mangel führen.
Einzelne positive Studien gibt es zu Zink, Magnesium, Vitamin E sowie zu Kombinationen bestimmter Enzym-/Vitamingemische. Von der hochdosierten Vitamin-C-Zufuhr kam man wieder ab. Irritiertend wirkt daher wenn Götter in Weiß auf Privatrezept Vitaminkuren mit hochdosiertem Vitamin C verschreiben. Bei einer Therapie mit Vitalstoffen muss stets auf den individuellen Bedarf geachtet werden. Hinweise für einen Mangel können Anfälligkeit für Infekte, nervöse Beschwerden, verschlechtertes Allgemeinbefinden und nachlassende Leistungsfähigkeit sein. Ein häufig vorkommendes Beispiel ist der Eisenmangel bei Frauen, der zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit führt und mit Eisenpräparaten behoben werden kann. Auch seelische Probleme können durch einen Vitalstoffmangel verursacht werden. Für Informationen über den individuellen biochemischen Vitalstoffstatus können Urin oder Blut auf ihren Vitalstoffgehalt hin untersucht werden. Die Einnahme von zu hohen Vitamindosen kann zu Vergiftungserscheinungen führen, bei Karotinoiden wurde ein beschleunigtes Tumorwachstum beschrieben. Die Auswirkungen des Langzeitkonsums von Nahrungsergänzungsmitteln sind wenig erforscht.

Chronopharmakologie   Blattgold Dr.Becker ®


Fazit
Letztendlich bleibt es ein Wunschtraum durch eine einfache Mischung von Substanzen die eigene Vitalität und Gesundheit zu erhalten. Selbstverständlich führen sie bei jemanden mit einem ausgesprochenen Mangel zu einer Verbesserung des Wohlbefinden aber gerade das woran es einer Person mangelt ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. Dem Einen mangelt es vielleicht wirklich an Vitaminen, aber heutzutage steht bei Vielen eher der Mangel an Sport und Bewegung sowie ausreichend Schlaf dem Wohlbefinden im Wege. Ein gesundes und langes Leben ist daher nicht in einer Packung Pillen versteckt, sondern beginnt mit einer kritischen Analyse des eigenen Lebensstils, um die individuellen Mängel (oder auch ein zuviel des Guten) zu identifizieren und gezielten Gegenmaßnahmen auszugleichen Ein anschauliches Model dafür ist z.B. das Minimumgesetz danach kann sich ein Organismus nur soweit entwickeln wie es seine knappste Ressource erlaubt. Demnach bringt es nichts sich mit immer neuen Vitaminpräparaten vollzustopfen, wenn der Mangel in einem ganz anderen Aspekt unseres Lebens zu suchen ist.

Minimumtonne



Quelle:

Lehrbuch Naturheilverfahren. Karin Kraft, Rainer Stange. Hippokrates Verlag 2010.

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