Montag, 16. März 2015

Burnout und was man selbst dagegen tun kann

John William Waterhouse [Public domain], via Wikimedia Commons


Wer ein Burnout hat, hat vielleicht das Gefühl, die tägliche Arbeit sei ein Fass ohne Boden. Ein sprichwörtliches Danaidenfass zu füllen ist eine mühsame, nutzlose und frustrierende Arbeit ohne Ergebnis. Die Danaiden wurden nie erlöst. Bei Burnout gibt es aber im Gegensatz zum Danaidenfass einen Weg hinaus ins Leben zurück.

Immer mehr Arbeit, die in einer bestimmten Zeiteinheit geleistet werden muss, starke Belastungen und Stresserleben am Arbeitsplatz führen in einigen Fällen zum Zustand seelischer Erschöpfung. Burnout steht am Ende einer langanhaltenden Überforderung ohne angemessenen Ausgleich. Man sollte Burnout nicht mit Stress oder Depression verwechseln, deshalb geht es erstmal um das Konzept, die Symptome und einzelnen Phasen des Burnouts.

Das Konzept Burnout
Im deutschsprachigen Raum war es vor allem der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer, der 1977 eine Abhandlung über die seelischen Problematik der helfenden Berufe veröffentlichte (Die hilflosen Helfer, 1977). Schmidbauer führte den Begriff des Helfersyndroms ein. Die Helferpersönlichkeit die sich zu viel Selbstbelastung zumutet stürzt am Ende wie Ikarus ab. Dies wird individuumzentrierter Ansatz genannt. Zum anderen wird die Ursache von Burnout in der Arbeitssituation gesucht. Dieser Ansatz ist situations-, organisations- und arbeitszentriert. Die Ursachen für Burnout sind demnach organisatorische und institutionelle Bedingungen sowie dysfunktionale Kommunikationsstrukturen in Organsiationen. Burnout kann demnach auch als Folge auf stresshafte berufliche Beanspruchungen aufgefasst werden und entsteht in der sozialen Interaktion. Ausserdem gibt es den soziologischen Ansatz der „Entfremdung der Arbeit“, welcher die Entfremdung als Hauptgrund für Burnout ansieht.

Die Burnoutsymptome
Nach Maslach (1976) gibt es drei Burnoutsymptome: 
Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduziertes persönliches Wirksamkeitserleben.
Emotionale Erschöpfung zeigt sich durch chronische Müdigkeit, Energielosigkeit, Hoffnungs- und Hilflosigkeit, emotionale Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, dysfunktionale Denkmuster, eine negative Einstellung zu sich selbst, zur Zukunft und zur Welt, Selbstbeschuldigungen und psychosomatische Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit ohne erkennbare Ursache)
Depersonalisation meint, dass die eigene Person, das Denken und Fühlen sowie die Umgebung verändert erscheinen, wodurch die Empfindung von Unwirklichkeit entsteht. Es entsteht das Gefühl, es sei gar nicht der eigene Körper, das eigene Selbst oder die gewohnte Umgebung. Das Leben kann als fern, fremd und wie gemacht erscheinen, als beobachte man ein fremdes Leben. Diese Zustände sind von Unbestimmtheit und Gefühlsverlust begleitet und können dem Betroffenen auch Angst machen.
Ein reduziertes persönliches Wirksamkeitserleben und das Gefühl verminderter Leistungsfähigkeit zeigt sich dadurch,dass Betroffene sich nicht tatkräftig, effizient und kompetent fühlen. Sie haben das Gefühl ihre Arbeit nicht erfolgreich auszuführen.

Die Burnoutphasen
Neben den Burnoutsymptomen wurden auch 4 Burnoutphasen von Bronsberg & Vestlund (1987) beschrieben. Die ersten drei Phasen (Enthusiasmus, Stagnation, Frustration) kennt vielleicht jeder, der schon einmal gearbeitet hat. Vorgesetzte wünschen sich Mitarbeiter, die immerzu in der enthusiastischen Phase sind, was ganz unrealistisch ist, denn jeder Arbeitnehmer braucht auch mal Ruhezeiten. Gefährlich für die psychische Gesundheit ist, wenn die Frustrationsphase zu lange andauert und wirklich kritisch wird es wenn die apathische Phase einsetzt.
1.Die enthusiastische Phase: Man strengt sich an, macht Überstunden, die Arbeit macht Spaß. Fehlschläge werden gut weggesteckt.
2.Die Stagnationsphase: Die erhofften Resultate der eigenen Bemühungen bleiben aus und es entsteht das Gefühl nichts vorwärtszubringen. „Ich isoliere mich, um
mich selbst zu schützen.“
3.Die Frustrationsphase: Die Arbeit wird in Frage gestellt und die Haltung zur Arbeit wird negativ. Ein Gefühl der Machtlosigkeit kommt auf.
4.Die apathische Phase: Man verliert das Interesse an der Arbeit. Resignation tritt ein, nicht nur vor der Arbeit, sondern auch vor den Möglichkeiten, etwas zu verändern. Das mangelnde Selbstvertrauen bleibt nicht auf die Arbeit beschränkt, sondern breitet sich in Private aus.

Die Ausmaße und Ausprägungen von Burnout sind vielfältig und reichen von emotionaler Erschöpfung und emotionalem Rückzug, Depression und Wendung gegen das Selbst (siehe Lazarus 1975) über Depersonalisierung, mentalen Rückzug und schizoides Erleben bis hin zu dem Gefühl reduzierter Selbstwirksamkeit und Verlust von Kompetenzgefühl. Grade wegen dem Gefühl der verminderten Selbstwirksamkeit kann es besonders schwer sein selber etwas gegen das eigene Burnout zu unternehmen oder sich Hilfe zu holen. Neben der Aufarbeitung möglicherweise zugrunde liegenden Denkmuster, z.B. bei einer Helferpersönlichkeit, kann man die Symptomatik manchmal mit Hilfe von ganz pragmatischen Mitteln eindämmen. In der Schulmedizin kommt eine gezielte und systematische Behandlung des Burnout-Syndroms jedoch kaum vor. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Messgrößen für Burnout sich mit Messgrößen z. B. für Depression, Neurotizismus, Stress, Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation oder Angststörungen stark überschneiden.1

Natürliche Helfer bei Burnout
Viele Heilpflanzen und ätherische Öle helfen gegen die Dimensionen in denen sich Burnout bewegt, nämlich Stress, Angst, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, emotionale Erschöpfung, Depression, Energielosigkeit, Reizbarkeit, psychosomatische Beschwerden. Psychosomatische Beschwerden entstehen unter dem Einfluss von unbewussten emotionalen Zuständen, die auf körperlicher Ebene bearbeitet werden. Deshalb können hier nur die Symptome gelindert werden, notwendig ist bei psychosomatischen Beschwerden eine Psychotherapie, um die Ursachen anzugehen.

Die wichtigsten Arzneipflanzen bei Schlafstörungen, Unruhe, Nervosität und Angst wie sie beim Burnout vorkommen können sind Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Johanniskraut, Kava-Kava, Lavendelblüten, Melissenblätter, Passionsblumenkraut, Goldmohn. 

Videos über die Passionsblume und über Goldmohn:








Bei Schlaflosigkeit können pflanzliche Präparate helfen den dringend benötigten Erholungsschlaf zu bekommen. Pflanzliche Beruhigungsmittel sind eine sehr gute Alternative zu synthetischen Medikamenten zur Linderung der Symptome von Angststörungen und Schlaflosigkeit. Zudem sind sie gut verträglich und nebenwirkungsarm. Heilpflanzen sind vorwiegend zur Therapie nervös bedingter Einschlafstörungen geeignet, nicht bei Durchschlafstörungen. Mehr über die Therapie mit Arzneipflanzen bei Schlaflosigkeit steht in dem Artikel Pflanzliche Beruhigungsmittel. Phytopharmaka eignen sich insbesondere sehr gut zur Therapie von Burnout in Kombination mit Entspannungstherapie oder autogenem Training. Autogenenes Training - was und für wen ist das?

Ätherische Öle werden aus Heilpflanzen gewonnen und können beispielsweise das vegetative Nervensystem in Richtung Ruhe oder Aktivität beeinflussen. Die olfaktorische Stimulation des Geruchssinns über ätherisches Öl der Grapefruit erhöht die Aktivität des Sympathikus und den Blutdruck.2 Es macht also aktiver. Ätherische Öle haben aber auch eine Wirkung auf das psychische Befinden und können Erinnerungen und Emotionen wach rufen. Zimt erinnert vielleicht an schöne Weihnachten und Rosenduft an die Liebe. Welche Emotionen Düfte hervorrufen ist eine sehr individuelle Sache und stark mit persönlichen Erlebnissen verknüpft. Siehe hierzu die Artikel Durch Aromatherapie ausgelöste Basisemotionen und Aromatherapie - Duft und Erinnerungen

Rücken- und Nackenschmerzen können auf einer Verkrampfung der Nackenmuskulatur beruhen, die durch ständige Anspannung und Angriffs- bzw. Verteidigungshaltung zustande kommt. Eine bekannte Redewendung ist „ein Päckchen/Kreuz zu tragen haben“, „Es läuft mir kalt den Rücken runter“, „in den Rücken fallen“, „mit dem Rücken zur Wand stehen“. Mit einem warmen, duftenden Wickel kann man sich „den Rücken stärken“. Eine schöne Anleitung zur Herstellung eines Lavendel-Mandarine Ölwickel findet man in dem Artikel  Aromatherapie bei Rückenschmerzen in der Schwangerschaft.


Eine Duftlampe mit ätherischem Öl von Zitrusfrüchten kann gegen die Müdigkeit, Energielosigkeit  helfen. Die antidepressive Wirkung von Zitrusdüften wird dem Citral zugeschrieben, das einer der Hauptbestandteile von Zitrus-Düften ist. Wenn man einen Zitronentee frisch mit der Schale der Zitrone zubereitet kann man die positive Wirkung des ätherischen Öls beim Teetrinken nutzen. In geringen Mengen können ätherische Öle nämlich innerlich zu Therapiezwecken eingenommen werden.




Ablenkend vom Burnout sind angenehme Gedanken oder sensorische Erlebnisse, z.B. wohlriechende Düfte ätherischer Öle. Als ein Anwendungsbeispiel sei ein Meersalzbad mit Jasmin genannt, das durch die Wärme des Wassers die wegen psychosomatischer Gründe verkrampfte Muskulatur entspannt und mit seinem Duft die Sinne betört. Das soll helfen die Gedanken von der Arbeit abzulenken und einen Ausgleich schaffen. Ein Rezept dazu findet man in diesem Artikel. Ätherisches Öl und Meersalz für die Balneotherapie Es kann auch ein anderes ätherisches Öl statt Jasmin aus der Liste der ätherischen Öle gegen Stress und Angst genommen werden. 





Vorher ist aber ein Allergietest in der Ellenbeuge mit verdünntem ätherischen Öl zu empfehlen. Siehe hierzu auch Nebenwirkungen ätherischer Öle.

Ein Kraut, dessen ätherisches Öl nachweislich gegen Burnout hilft ist übrigens Basilikum. Ein Tipp ist frisches Basilikum an das Essen zu geben. Basilikum ist als Küchenkraut bekannt, hat aber auch medizinische Eigenschaften. Das ätherische Öl ist zur Stärkung der Nerven in der Aromatherapie indiziert. Die Inhalation ätherischer Öle reduziert das gefühlte Level des Burnouts. Dies wurde an den ätherischen Ölen von Basilikum, Pfefferminze und Immortelle untersucht.3 



Welche Wirkmechanismen bei diesen drei ätherischen Ölen eine Rolle spielen ist nicht ausreichend erforscht. 




Vermutlich helfen auch noch weitere ätherischer Öle gegen Burnout, die gegen Stress und Angst wirsam sind. Die Wirkmechanismen ätherischer Öle bei Burnout sind bisher nur ansatzweise und noch nicht abschließend untersucht worden.


Hier sind ein paar für Burnout passende ätherische Öle aus Aromatherapie - Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis von Wabner und Beier:

Relevante Öle bei Schlafstörungen: Bergamotte, Geranie, Cardamom, Lavendel, Majoran, Mandarine rot, Melisse, Neroli, Orange, Rose, Rosenholz, Sandelholz, Schwarzkümmel.

Relevante Öle bei Angst und Stress: Angelika, Geranie, Jasmin, Römische Kamille, Lavendel, Melisse, Majoran, Muskatellersalbei, Neroli, Orange, Rose, Palmarosa, Vanille, Vetiver, Narde, Weihrauch, Ylang-Ylang, Patchouli.

Psychisch wirkt das ätherische Öl der Patschulipflanze in niedriger Dosierung beruhigend, in hohen Dosen eher stimulierend. Massagen und Bäder mit dem ätherische Öl wirken stimulierend und tonisierend bei ÄngstenStressSchlafstörungen und Erschöpfung. Zudem wird das ätherische Öl der Patschulipflanze als Aphrodisiakum verwendet. Quelle

Schnelle Hilfe bei Schlafstörungen bringt 1 Tropfen Lavendel in den Händen zu verreiben und die Hände beim Einschlafen in die Nähe des Gesichts zu legen. Man kann sich aber auch ein richtiges Schlaföl mischen und es vor dem Schlafen auftragen, ein Rezept dazu ist in dem Artikel Ätherisches Öl und angstlösende Aromatherapie beschrieben.

Aromatherapie hat einen stressabbauenden Effekt und schützt vor Burnout. Geeignete ätherische Öle sind Lavendel, Ylang-Ylang, Römische Kamille und Zitrusdüfte, darunter insbesondere ätherisches Öl der süssen Orange. Die innerliche Einnahme von ätherischem Öl von Lavendel in Form von Kapseln ist möglich und hat schlaffördernde und anxiolytische Wirkung. Aromatherapie ist eine effektive Möglichkeit ohne viel Aufwand Burnout durch kleine Erholungspausen und Ruheoasen im Alltag, vorzubeugen. Aromatherapie kann in Form von Raumbeduftung in Arbeitszimmern, Büroräumen zu Hause eingesetzt werden und kann als eine Strategie gegen Burnout genutzt werden um ein harmonisches Arbeitsumfeld zu schaffen um zu mehr innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und Stabilität zu finden. Einige Studien zu dem Thema sind in diesem Artikel angeführt Wie Aromatherapie vor Burnout schützt.

Da es bei der Therapie des Burnout darum geht wieder zu sich zu finden (Stichwort: Depersonalisation) wäre grade für Menschen mit Burnout Wellness ein ganz wichtiger Punkt, um sich wieder zu spüren. Kosmetik mit ätherischen Ölen kann einen Beitrag leisten sich selbst anzunehmen und sich besser zu spüren. Ein Körperöl mit ätherischem Öl der Rose hat beispielsweise eine stressmindernde Wirkung. Ein Rezeptvorschlag zum selbermischen findet man in dem Artikel Naturkosmetik mit ätherischem Öl der Rose für Mütter.




Bei Angst und Nervosität soll die Passionsblume gute Dienste leisten. Mehr unter dem Link Passionsblume.





Quellen:
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom
2 Georg Thieme Verlag KG Stuttgart.New York.
Auton Neurosci. 2008 May 30;139(1-2):1-8. doi: 10.1016/j.autneu.2007.12.001. Epub 2008 Jan 16.
Effects of olfactory stimulations with scents of grapefruit and lavender oils on renal sympathetic nerve and blood pressure in Clock mutant mice.
Tanida M1, Shen J, Niijima A, Yamatodani A, Oishi K, Ishida N, Nagai K.
3 J Altern Complement Med. 2013 Jan;19(1):69-71. doi: 10.1089/acm.2012.0089. Epub 2012 Nov 9.
Effect of inhaled essential oils on mental exhaustion and moderate burnout: a small pilot study.
Varney E1, Buckle J.
Michael Ehrmann. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Ein Lehrbuch auf Psychoanalytischer Grundlage. 5. überarbeitete Auflage.
Aromatherapie: Grundlagen, Wirkprinzipien, PraxisVon Dietrich Wabner, Christiane Beier. 1. Auflage
Leitfaden Phytotherapie. Heinz Schilcher, Susanne Kammerer. 2. Auflage. Urban & Fischer 2003.

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