Donnerstag, 5. November 2015

Passionsblume gegen Angst und Stress

Die Passionsblume, ihr wissenschaftlicher Name lautet Passiflora incarnata L., hat in der Phytotherapie eine lange Geschichte als Anxiolytikum, d.h. als ein Mittel gegen Angstzustände. In vielen verschiedenen Regionen der Welt wurde und wird die Passionblume als ein Medikament dazu verwendet Angst beim Menschen zu behandeln.


Passionsblume Passiflora incarnata L.Blattgold Dr.Becker ®


Das Wort Passionsblume leitet sich nicht von dem englischen Wort "passion", welches "Leidenschaft" bedeutet, ab und ist aber kein Aphrodisiakum, also kein Mittel um die Liebe zu entfachen. Die Passionsblume hat ihren Namen von dem lateinischen Wort "passio", welches Leiden bedeutet und "flos", das auf lateinisch Blume heißt. Passiflora bedeutet also Leidensblume und nicht Leidenschaftsblume.

Zum ersten Mal wurde die Passionsblume von spanischen Entdeckern des frühen 16. Jahrhunderts entdeckt. Passiflora wurde als ein Symbol für die Leiden Christi beschrieben. Der Stempel der Blüte symbolisiert die Nägel mit denen Jesus Christus an sein Kreuz genagelt wurde.

Die Gattung Passiflora umfasst ungefähr 520 Arten, von denen die meisten in warmen und tropischen Regionen wachsen. Die meisten dieser Spezies sind Kletterpflanzen und stammen aus Südamerika, seltener aus Nordamerika, Südostasien und Australien. Die Passionsblume kann sich 8 bis 9 Meter in die Höhe ranken. Medizinisch werden die Blüten, Blätter und Stängel der blauen Passionsblume, Passiflora incarnata L., verwendet, aber nicht ihre Früchte.

Inhaltsstoffe
Die Passionsblume enthält verschiedene Inhaltsstoffe, davon sind die bedeutendsten Flavonoide, Maltol, Cumarinderivate, geringe Mengen ätherisches Öl und in Spuren Alkaloide. Die neuropharmakologische Aktivität der Passionsblume kann derzeit noch nicht auf einen bestimmten Inhaltsstoff zurückgeführt werden. Weder die Alkaloide noch die Flavonoide können nach dem Stand der aktuellen Forschung als wirksame Struktur beschrieben werden.1

Video über die Passionsblume:


Dosierung
Die Tagesdosis für Passionsblumenkraut beträgt 4-8 g verteilt auf mehrere Einzeldosen.

Zu den Wirkmechanismen könnte Sie dieser Link interessieren: An welchen Rezeptoren die Inhaltsstoffe der Passionsblume ansetzen

Ethnopharmakologie
Passionsblume ist in der traditionellen Medizin Westindiens, Mexikos, der Niederlande, Südamerikas und Italiens zur Behandlung von Bronchitis, Asthma, Lungenentzündung und Schlaflosigkeit weit verbreitet. In der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde wird die Passionsblume vornehmlich zur Behandlung von Schlaflosigkeit und Angst verwendet. In Nordamerika wird der Tee aus Passionsblumenkraut als schlafförderndes Mittel getrunken. Passionsblume ist im Martindale (The Extra pharmacopoeia) als pflanzliches Arzneimittel gelistet. Das "Martindale" ist ein Nachschlagewerk bzw. Arzneibuch, das über 6.000 Drogen und Arzneistoffe aus aller Welt enthält. Als schlafförderndes Mittel (Sedativum) und als krampflösendes Mittel (Spasmolytikum) wird Passionsblume in 24 verschiedenen Ländern verwendet. Die Effektivität der Passionsblume bei der Verabreichung gegen Angst wurde von wichtigen medizinischen Institutionen bestätigt, einschließlich The British Herbal Medicine Association im British Herbal Compendium (Passionflower Herb, England) sowie durch die deutsche Kommission E (Passiflora incarnata, Germany).

Die breite Verwendung der Passionsblume hat die Passionsblume zu einer anerkannten Heilpflanze gemacht. Seit geraumer Zeit sind die angstlösenden, schlaffördernden, krampflösenden und mild antimikrobiellen Effekte der Passionsblume gut bekannt. In einigen Studien konnten Hinweise auf die Wirksamkeit von Passionsblume als Mittel gegen Angst, Schlaflosigkeit, ADHS, Bluthochdruck und sogar gegen Krebs gefunden werden. Eine neue Studie belegt sogar die Wirksamkeit der Passionsblume als krampflinderndes Mittel und Antiepileptikum. Die Einnahme von Passionsblume bewirkt quasi einen Ruhezustand des Nervensystems.

Darüberhinaus wird Passionsblume in einigen Ländern auch als Schmerzmittel, Anti-Asthmatikum, Wurmkur sowie zu sedierenden Zwecken, insbesondere in Brasilien, benutzt. Im Irak verwendet man Passionsblume als Schlafmittel und Narkotikum, zur Behandlung von Dysmenorrhoe, Epilepsie, Schlaflosigkeit, Neurosen und in der Türkei auch bei Nervenschmerzen (Neuralgie).

In Polen wird Passionsblume außerdem verwendet um Hysterie und Nervenschwäche (Neurasthenie) zu behandeln, in Amerika wird Passionsblume gegen Durchfall, bei Dysmenorrhoe, Neuralgie, Verbrennungen, Haemorrhoiden und Schlaflosigkeit verwendet. Passionsblume wird in Indien auch eingesetzt, um Opiatabhängigkeit zu behandeln.

Im Irak ist Passionsblume als Fertigpräparat mit dem Namen Pasipay im Handel und wird dort bei nervösen Beschwerden, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und muskuläre Verspannungen verschrieben. Ein Kombinationspräparat, welches den Namen ‘’Niak’’ hat und Passionsblumenkraut enthält, wird als Beruhigungsmittel verschrieben.

Oxazepam ist ein Benzodiazepin, das bei generalisierter Angststörung (GAS) verschrieben wird. Bei GAS verselbstständigt sich quasi die Angst und verliert ihre Zweckmäßigkeit und Relation. Der Betroffene erlebt eine generalisierte und anhaltende Angst, die frei flottiert (allseitig umgebend). In den meisten Fällen bestehen unbegründete Sorgen und Befürchtungen vor zukünftigen Unglücken oder Erkrankungen, wodurch der Betroffene kaum oder nicht in der Lage ist die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen. Die Angst ruft zuweilen körperliche Beschwerden, d.h. psychosomatische Symptome, wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Derealisation und Depersonalisation, Übelkeit, innere Unruhe, Unfähigkeit sich zu entspannen, Hitzewallungen, Muskelverspannungen, Konzentrationsstörungen, Nervosität, Schlafstörungen, Spannungskopfschmerz, Benommenheit und Kribbeln hervor.2

Jedenfalls wurde die Wirksamkeit des Benzodiazepins Oxazepam und die Wirksamkeit der Passionsblume bei generalisierter Angststörung verglichen und im Vergleich zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Anxiolytika. Passionsblume ist so effektiv wie das Benzodiazepin, jedoch berichteten die Betroffenen, die das Benzodiazepin erhielten, darüber, dass ihre Angstsymptome schneller geheilt wurden. Hingegen konnten die Betroffenen, welche Passionsblume statt eines Benzodiazepins einnahmen, häufiger ihre Arbeitsstelle trotz ihrer Erkrankung behalten als die Betroffenen der Benzodiazepingruppe. Benzodiazepine haben unangenehme Nebenwirkungen. Neben der Suchtgefahr sind diese vor allem die Beeinträchtigung der Reaktionszeit und bei älteren Patienten erhöht die dauerhafte Einnahme von Benzodiazepin das Risiko, eine Demenz zu entwickeln.3

Die anxiolytische Wirksamkeit der Passionsblume wurde auch noch bei anderen Patientengruppen beobachtet, nämlich bei Patienten, welche vor einem chirurgischen Eingriff und bei Patienten, die vor einem zahnärztlichen Eingriff standen. In beiden Fällen war die Behandlung mit Passionsblume für die Patienten eine akzeptable und hilfreiche Therapie. Grade weil viele Patienten heutzutage Phytopharmaka gegenüber Chemie bevorzugen.4

Weitere Studien zeigten auch antikonvulsive Wirksamkeit von Passionsblume. Eine wichtige Rolle spielen dabei Benzodiazepinrezeptoren. Außerdem sind Opioidrezeptoren in die Antwortgebung des ZNS auf Passionsblume und den Wirkmechanismus eingebunden.5

Zahlreiche Mittel, die Passiflora incarnata L. enthalten, werden als angstlösende und beruhigende Mittel verschrieben. Dieses Vorgehen basiert auf der langen Geschichte des traditionellen Gebrauches von Passionsblumen. In präklinisch Studien wurde das weite Spektrum an pharmakologischen Wirkungen der Passionsblume bestätigt. Darunter sind insbesondere die angstlösenden, beruhigenden, hustenlindernden, antiasthmatischen und antidiabetischen Wirkungen hervorzuheben. Die Passionsblume besitzt ein gutes Sicherheitsprofil und kaum Nebenwirkungen.6 Leichte Nebenwirkungen wurden lediglich in einer Studie berichtet. Die Nebenwirkungen der Passionsblume waren Schwindel, Benommenheit und Verwirrtheit. Demgegenüber zeigen Studien, dass bei der Behandlung mit Passionsblume der Nutzen überwiegt, insbesondere als Mittel um Angst zu lösen.7

Quellen:
1Neuropharmacological Activity of Extracts from Passiflora incarnata
E. Speroni1 , A. Minghetti2
1Instituto di Farmacologia, Via Irnerio, 48, Facoltá di Farmacia, Universitá di Bologna, I-40126 Bologna, Italy.
2Dipartimento di Scienze Farmaceutiche, Via Belmeloro, 6, Facoltá di Farmacia, Universitá di Bologna, I-40126 Bologna, Italy.
2https://de.wikipedia.org/wiki/Generalisierte_Angstst%C3%B6rung
3https://en.wikipedia.org/wiki/Generalized_anxiety_disorder
4J Dent (Shiraz). 2013 Jun; 14(2): 68–72.
PMCID: PMC3977550
The Efficacy of Passiflora Incarnata Linnaeus in Reducing Dental Anxiety in Patients Undergoing Periodontal Treatment
N Kaviani,a M Tavakoli,b MR Tabanmehr,c and RA Havaeid
5BMC Complement Altern Med. 2007; 7: 26.
Published online 2007 Aug 8. doi:  10.1186/1472-6882-7-26
PMCID: PMC1973074
Anticonvulsant effects of aerial parts of Passiflora incarnata extract in mice: involvement of benzodiazepine and opioid receptors
Marjan Nassiri-Asl,1 Schwann Shariati-Rad,2 and Farzaneh Zamansoltani3
6J Ethnopharmacol. 2013 Dec 12;150(3):791-804. doi: 10.1016/j.jep.2013.09.047. Epub 2013 Oct 17.
Passiflora incarnata L.: ethnopharmacology, clinical application, safety and evaluation of clinical trials.
Miroddi M1, Calapai G, Navarra M, Minciullo PL, Gangemi S.
7Nutritional and herbal supplements for anxiety and anxiety-related disorders: systematic review
Shaheen E Lakhan* and Karen F Vieira
Nutrition Journal 2010, 9:42  doi:10.1186/1475-2891-9-42
The electronic version of this article is the complete one and can be found online at:http://www.nutritionj.com/content/9/1/42

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