Montag, 4. Juli 2016

Cannabis auf Rezept wird 2017 einfacher

Am 21. Juni 2016 fand das Symposium der Bundesapothekerkammer „Cannabis als Arzneimittel – Fakten und Herausforderungen“ in Berlin statt. Der Grund für den Kongress lag im Erscheinen der Monografie für Cannabisblüten im Juni 2016, die das pharmazeutische Wissen zu Cannabisblüten bündelt.


Kostenerstattung von Cannabis
Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Klienten bei therapeutischer Erfordernis Cannabis von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet bekommen. Mit der Aktivierung des Gesetzes wird im April 2017 gerechnet.


Verschreibung von Cannabis
Cannabis ist nur für Leidende gedacht, bei denen sonstige Medikamente keine ausreichende Linderung zeigen, die „austherapiert“ sind. Die Kranken, für die sonstige Therapiealternativen fehlen, können Cannabis mithilfe einer Ausnahmeerlaubnis des BfArM jetzt schon erhalten. Voraussetzung ist, dass andere Präparate auf Cannabisbasis wie Sativex (das einzige in Deutschland zugelassene Cannabinoid) nicht wirksam sind.


Sativex Blattgold Dr.Becker ®



Durch die Verschreibungsfähigkeit und die Kostenerstattung durch die GKV, wird Cannabis in pharmazeutischer Qualität in Zukunft mehr Personen zugänglich sein. Durch die hohen Kosten als Selbstzahler, nutzen viele Patienten ihre Ausnahmegenehmigung nicht, sondern bauen Cannabis an oder beziehen es illegal. Die Experten sind sich einig, dass es Patienten gibt, die es Nichtmal versuchen eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Zahlen für den künftigen Bedarf konnten nicht vorgelegt werden, weil die Nachfrage zu schwer abzuschätzen ist.


Perspektive sind Fertigarzneimittel
Der Leiter der Bundesopiumstelle machte deutlich, dass Cannabis nur in Ausnahmefällen verschrieben werden sollte. Die potenziell suchterzeugende Wirkung müsse berücksichtigt werden. Die geplante Regelung sei nur eine Übergangslösung. Das Ziel der Pharmaindustrie sind Fertigarzneimittel.


Richtige Anwendung und Dosierung
Der Präsident der Bundesapothekerkammer forderte, dass Personen, denen der Arzt aus klinischem Anlass Cannabis verordnet eine eindeutige Gebrauchsanweisung inklusive der notwendigen Hilfsmittel bekommen. Ohne Rezepturvorschriften sei die standardisierte Dosierung für den Patienten nicht machbar. Der Gebrauch von Cannabisblüten erlaubt keine genaue Dosierung der medizinisch wirksamen Komponenten. Das Rauchen von Cannabis als Joint sei problematisch, weil im Blut eine schwankende Dosis ankomme. Die Inhalation von Cannabisblüten mit einem Verdampfer oder die perorale Gabe sei eine besser zu kontrollierende Alternative. Die Kommission deutscher Arzneimittel-Codex/neues Rezeptur-Formularium arbeitet an Rezepturvorschriften, die eine pharmazeutisch nicht mehr zu beanstandende Anwendung und Dosierung von Cannabis ermöglichen.



Quelle:
aerzteblatt.de, Donnerstag, 23. Juni 2016
Medizinisches Cannabis: Der Arzt erhält die Therapiehoheit

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