Dienstag, 11. Juni 2019

Das Unmögliche I

 
Marienkäfer an einem Grashalm. Quelle: Wikimedia commons, Link


So sah es nun eben aus. Sein Vater war ein Gelehrter gewesen, hatte ihm aber nichts von seiner Gelehrtheit weitergegeben. Das Zurückhalten des Wissens des Vaters war geschehen, damit er seine eigene Geschichte schreiben konnte. Nun fühlte er sich verloren und ziellos. Es gab nicht viel woran er sich im Leben klammern konnte. Das was ihm halt bot, schien nichtig und eher unwichtig zu sein. Manchmal fühlte er sich wie ein Marienkäfer, der sich an einen Grashalm klammerte, um nicht vom starken Wind fortgeweht zu werden. In ihm breitete sich das Gefühl von Minderwertigkeit aus, denn er konnte nichts wirklich gut. Er war kein gebildeter Mensch wie sein Vater, denn er hatte nie gelernt sich anzustrengen. Nie wurde es von ihm verlangt. Stets konnte er tun und lassen wozu er Lust hatte. Nie hatte er sich längere Zeit für eine Sache wirklich begeistert. Er wechselte schnell seine Interessen und brachte nirgendwo besonders gute Leistungen. Verantwortung für sich selbst sollte er lernen und unabhängig sein, indem er seinem Gefühl folgte. Bedeutete dies letztendlich, dass er nun selbst für sein Elend verantwortlich war? Irgendwo tief in seinem Inneren wusste er, dass dies falsch war. Dass seine Eltern ihm weiß machen wollten, er hätte stets selbst entscheiden können, Verbote habe es nicht gegeben, er habe keinen Grund ihnen etwas vorzuwerfen. Sie waren damit fein raus, hatten ihren Part erfüllt, sich die Hände rein gewaschen. Dennoch spürte er einen Mangel, als hätte besonders der männliche Elternteil ihm etwas verwehrt. Was konnte es sein, das er vermisste, was ihn nun so missmutig stimmte?


Fortsetzung:  
 
Das Unmögliche II 

Das Unmögliche III 

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