Freitag, 14. Juni 2019

Das Unmögliche II

 Statue Schloss Charlottenburg. Quelle: Wikimedia commons Link


Maxe saß am zum Hinterhof geöffneten Fenster seines WG-Zimmers im linken Seitenflügel eines einst herrschaftlichen Hauses in Berlin Charlottenburg. Sein Blick lag auf den beiden Visitenkarten vor ihm auf dem Tisch. Heute war er bei seiner Hausärztin gewesen und sie hatte ihm empfohlen aufgrund einer Depression eine Psychotherapie zu machen.
«Sagen Sie, dass ich Sie schicke.» Hatte die Ärztin ihm mit auf den Weg gegeben.
Das Jobcenter saß ihm mit Sanktionen im Nacken, weil er schon länger arbeitslos gemeldet war und sich offensichtlich nicht um eine neue Arbeit bemühte. Ein Freund hatte ihm erzählt, dass das Jobcenter einen in Ruhe lassen würde, wenn man einen auf Depression und eine Psychotherapie machen würde. Es war sehr einfach gewesen eine Überweisung zum Psychotherapeuten zu bekommen. Maxe hatte der Ärztin nur etwas von seiner Antriebslosigkeit, Interessenverlust und Freudlosigkeit erzählt. An seine wahre Innenseite war sie nicht herangekommen. Allgemein waren andere Menschen für Maxe oberflächlich.
«Sie vernachlässigen rücksichtslos das Innenleben ihrer Mitmenschen und haben banale Vorstellungen von der Gefühlswelt und deren Inhalten. Die Welt zieht an mir vorbei wie der Qualm einer vor meinem Fenster gerauchten Zigarette. Ich friste mein Dasein hier in dieser Zelle, diesem Viertel, dieser Stadt ohne Sinn meiner Existenz. Mein Dasein ist abgetrennt von den anderen Menschen, mit ihnen fühle ich mich nicht verbunden. Wozu ist mein Dasein gut? Alle anderen scheinen, ohne Denken marionettenhaft zu funktionieren. Was fehlt mir? Wieso passe ich nicht hinein? Es gibt keine ehrlichen, wechselseitigen Beziehungen in dieser Stadt. Euer System ist nicht mein System. Ich fühle mich ausgeschlossen und lebensunfähig. Was soll mich überhaupt am Leben halten? Früher war in mit doch ein Funke, der alles zu überflügeln schien. Heute sind meine Talente ungenutzt und ich spüre wie meine Fähigkeiten verkümmern. Alles fühlt sich so mangelhaft an. Überall fehlt es an Geistreichem. Ich bleibe unverstanden, denn keiner ist im Stande den geistig-seelischen Bereich mit mir zu teilen. So bleibe ich ein Sonderling, im Grunde immer allein und ohne Beziehung. Die anderen folgen inneren Bahnen, die mit ein Rätsel sind. Den Sinn ihres Handelns kann ich nicht erfassen. Ihr reges Treiben bleibt mir verschlossen. Für mich ist es ein Mysterium, während es für alle anderen Menschen Selbstverständlichkeit darstellt. Wie kann das sein, da ich doch so feinfühlig bin? Die anderen sind gefühlsarm, primitiv wie Tiere und geistlos! Währen ich leide und verzweifel, erfreuen sich die anderen am Leben. Wie widerlich und falsch ihr Lachen in meinen Ohren klingt. Sie sind doch allesamt nur mit Instinktverhalten ausgestattete Egoisten! Tun sie doch allein das, was ihrem Leben dienlich ist.»
Dann streifte sein Blick den offenen Laptop. Dort hatte Maxe den Bomber’s Baedeker als Digitalisat auf Gutenberg Capture aufgerufen. An seiner Wand hing ein Poster mit dem Aufruf Bomber Harris do it again.


Arthur Harris, commander in chief of Bomber Command.  Quelle: Wikimedia commons Link.






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