Freitag, 12. Juli 2019

Das Unmögliche VII

Che Guevara. Quelle: Wiki commons

«Heute morgen saß ich in der Küche und nahm mein Frühstück ein. Ich aß Magerquark mit Haferflocken, als mein Blick an dem Che Guevara Poster hängen blieb. Genauer gesagt fixierte ich den Stern auf seiner Mütze und dachte darüber nach, ob Che mir Weltorientierung bot. Mein Mitbewohner Günther kam in dem Moment herein und riss mich aus meinen Gedanken. Er fragte mich, ob Dit was für’n hohlen Zahn war, was ich aß, und ging zum Kühlschrank hinüber, um sich Wust und Brot für sein Frühstück zu holen. Ich reagierte nicht und löffelte weiter aus meiner Schüssel.
``Is aba warm heute, wa?``
Meinte Günther und setzte sich zu mir an den Tisch. Günther wollte ein Gespräch beginnen, aber es war wohl mehr ein Monolog, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte.
``Ick hab jestern mit meen Atze schnabuliert. Der hat ville jelabert, wesste?``
Günther bediente sich ganz selbstverständlich an meiner Kaffeekanne ohne mich zu fragen, ob er auch einen Kaffee trinken könnte.
``Dit Muckefuck is pyramidabel. Na du oller Nieselpriem, bist ja heute nich jrade jesprächich, wa? Kannste ooch ma wat sajen?``
``Denkst du Che hat gewusst was er da tut?`` Fragte ich.
``Dit wees kehna! Wat willste mia jetze verklickern?``
``Sein Hinscheiden im Namen einer revolutionären Bewegung machte Che zu einem Märtyrer in der ganzen Welt. Che Guevara ist in unserer Zeit ein Idol.`` antwortete ich.
``kiek dia dat ma an! Wat für ‘ne Klitsche!``
Günther musterte mich, aß seine Stulle und trank den Kaffee aus.
``Dit is pillepalle! Hör uff dir so abzupuckeln! ``
Ganz unbedarft stand er dann auf, ging zur Tür und verabschiedete sich.
``Ick mach mir uff die Socken.`` Sagte er zum Abschied.
Ich saß noch immer am Küchentisch und dachte über Weltorientierung und Handlungsführung nach. Wenn ich revolutionär sein wollte, dann müsste ich meine Handlungen auch dementsprechend ausrichten. Woher nahm Günther seine Orientierung? Während ich grübelte, war er schon längst tätig und veränderte vielleicht die Welt!»
«Was ging da vor sich?»
«Diese Begegnung heute Morgen führte mir meine ganze Unfähigkeit vor Augen, ein normales Leben zu führen. Günther macht einfach und stellt keine Fragen. Dabei ist er glücklich. Ich fühle mich gehemmt und stelle zu viele Fragen, dabei bleibe ich auf der Strecke. Ich möchte mein Leben so gerne sinnvoll verbringen, weiß aber ich einfach nicht wie. Günther hält mich für maulfaul und bedient sich an meinen Sachen, weil ich mich nie darüber beschwere. Ich glaube, er hält mich für dumm, weil ich so ruhig bin.  Irgendwann wird er selbst darauf kommen und aufhören, hoffe ich. Ich mag ihn dennoch, grade wegen seiner groben Art. Sie zeigt mir meinen eigenen Mangel auf.»



Links dazu was vorher geschah:
Das Unmögliche I 
Das Unmögliche II 
Das Unmögliche III  

Das Unmögliche IV
Das Unmögliche V
Das Unmögliche VI

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